Unruhe in der KircheAusgabe | Donnerstag, 3. Januar 2019

Die Spitze der katholischen Kirche in Kärnten hat sich dem Willen Roms widersetzt: Sie veröffentlichte einen Bericht zur Ära des Bischofs Schwarz samt Vorwürfen. Wir befragten dazu den Lavanttaler Klerus.

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Wolfsberg, Klagenfurt. Es geht rund in der Kärntner Kirche. Nachdem Bischof Alois Schwarz im  vergangenen Sommer nach Niederösterreich gewechselt war, kochte die Diskussion über seine Amtszeit in Kärnten hoch. Um Licht in die von vielen Gerüchten umwölkte Angelegenheit zu bringen, gaben Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger und das Domkapitel eine Untersuchung in Auftrag, deren Inhalt im  Dezember bekannt gegeben werden sollte. Die Bischofskongregation in Rom untersagte per Weisung die Veröffentlichung, worauf sich in Kärnten Unmut rührte.

Guggenberger und Mitglieder des Domkapitels beriefen am 18. Dezember eine Pressekonferenz ein und gaben gegen den Willen Roms ein Statement ab, in dem vom »System Schwarz« gesprochen und eine Zusammenfassung des Prüfberichts über das Mensalgut vorgelegt wurde. Es gab Kritik an der Lebensführung des Bischofs, an seiner »Nähe« zu einer Mitarbeiterin und an den wirtschaftlichen Gebarungen. Dabei wurden auch Regressforderungen gegen Schwarz angekündigt, der die Vorwürfe einige Tage später in einem Interview zurückwies. Wenig später wurde der Salzburger Erzbischof Franz Lackner zum Apostolischen Visitator für die Diözese Gurk ernannt. Er soll prüfen, was wirklich vor sich gegangen ist.

Was sagen nun die Lavanttaler Geistlichen zum Wirbel in der Kirche? Die Unterkärntner Nachrichten hörten sich um.

»Es gibt verschiedene Reaktion der Menschen«, sagt der Wolfsberger Stadtpfarrer Christoph Kranitzky, »einige warten auf Transparenz, andere erwarten von der Kirche mehr als Gerechtigkeit: Vergebung und Barmherzigkeit. Ich selbst bete für inneren Frieden in der Kirche und einen guten neuen Bischof.« Auf die Frage, ob er mit der Veröffentlichung von Teilen des Prüfberichts einverstanden ist, sagt Kranitzky: »Rom hat einen Visitator geschickt. Es wäre gut abzuwarten, was die objektive und kompetente Visitation ergibt.«

»Wurden nicht gefragt«

Dechant Gerfried Sitar aus St. Andrä meint: »Die Dinge werden fachlich geprüft, es wird ein gutes Ergebnis herauskommen.« 

Zur Veröffentlichung des Prüfberichts sagt der Dechant: »Er wurde ja gar nicht publiziert, sondern nur eine Interpretation des Domkapitels. Anmerken möchte ich, dass der Dechantenvorstand, dem ich angehöre, zur Veröffentlichung nicht befragt wurde. Es gab keine diesbezügliche Sitzung, nur Telefonate.« Hätte man ihn, Sitar gefragt, wäre er für die Publizierung eingetreten: »Allerdings ohne diese Interpretation, sondern des Originals. Sich das anzusehen ist jetzt Aufgabe der Visitation.«

Um eine Beurteilung der Kärntner Zeit von Schwarz befragt, sagt Sitar: »Aus dem Volk kam immer Positives, er hat sich um die Gläubigen gekümmert. Manches gelingt, anderes nicht. Mit Schwarz war es eine gute Zeit für Kärnten.«

Keinen Kommentar gab es vom St. Mareiner Pfarrer Andreas Stronski: »Ich möchte nichts sagen, ich warte die Ergebnisse ab.«

Anders Eugen Länger, Pfarrer von St. Stefan: »Ich bin traurig. Wir arbeiten uns an der Basis ab, oben geschieht anderes.« Die Veröffentlichung des Berichts war für Länger »im Sinne der Transparenz in Ordnung«. Und zu Bischof Schwarz sagt er: »Er ging auf die Leute zu, war sehr korrekt, als Mensch in Ordnung. Ich selbst bin gut mit ihm ausgekommen.« Als neuen Bischof wünscht sich Länger »einen guten Hirten mit Rückgrat«.

Nach all dem wird klar: Eine Priesterrevolte aus dem Lavanttal muss Rom eher nicht fürchten ...

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