Storfer: »Wenn man mir den Kommerzialrat verleihen wollte, ich würde es ablehnen«

War es schon in Ihre Wiege gelegt, dass Sie einmal den elterlichen Betrieb übernehmen?

Nein. Ich habe den Betrieb im Jahr 1979 von meinen Eltern übernommen und der Bäckerei Storfer den Namen Knusperstube gegeben. Davor war ich acht Jahre lang im Handel, unter anderem für Hofer und DM tätig. Die Erfahrungen und Kontakte, die ich während dieser Zeit geknüpft habe, konnte ich dann für die Knusperstube optimal nutzen.

Wie kam es zum rasanten Aufstieg der Knusperstube im Lavanttal?

1981 haben wir damit begonnen, einige Hofer-Filialen in Kärnten zu beliefern und das hat auf Anhieb sehr gut funktioniert. Und als Hofer von uns wollte, dass wir das gesamte Filialnetz in Kärnten mit unseren Backwaren versorgen, wurde die Bäckerei in Frantschach zu klein und 1988 ist die Knusperstube nach Wolkersdorf übersiedelt.

Aber es wurden ja auch viele Filialen errichtet. Es gab im gesamten Lavanttal zahlreiche Knusperstuben-Geschäfte. Warum hat man diese dann geschlossen?

Wir hatten zwölf Filialen, haben uns aber dazu entschlossen, Ende der 1990er-Jahre den Eigenvertrieb einzustellen und uns darauf zu konzentrieren, was wir können. Ich denke dadurch ist uns das Schicksal erspart geblieben, das auch im Lavanttal zahlreiche Bäckereien erwischt hat, nämlich der Konkurs. Ich habe gemeinsam mit der Lebensmittelhandelskette Hofer die Backbox entwickelt, mit denen die Hoferfilialen ausgestattet sind. Die Knusperstube beliefert ganz Südösterreich mit den halbgebackenen Waren. Mittlerweile haben auch die Gastronomie und Hotels die Vorteile der halbgebackenen Waren erkannt. Aktuell beliefern wird ca. 30 Großhotels im südösterreichischen Raum.

Sie haben aber nicht nur ihren Betrieb nach vorne gebracht, Sie sind auch Obmann des Vereins der Lavanttaler Wirtschaft. Wie ist es dazu gekommen?

Begonnen hat es mit dem Verein ja bereits Mitte der 90er Jahre. Damals gab es in meinem Café in Frantschach  ein Treffen mit Othmar Triebel, der danach dem Verein lange Zeit vorstand. Uns war klar, dass wir etwas brauchen, um lösungsorientiert und ohne Parteipolitik zum Wohle der Region zu arbeiten. Das ist uns mit dem Verein der Lavanttaler Wirtschaft auch sehr gut gelungen. Auch wenn die Politik öfters versucht hat, uns einzuvernehmen, haben wir es geschafft, bis heute überparteilich zu bleiben. Mittlerweile hat der Verein fast 150 Projekte umgesetzt. 

Und wie sind Sie auf die Idee der Marktgemeinschaft Frantschach gekommen?

Weil ich ein Herz für Frantschach habe. Ich wollte etwas für den Ort über die Parteigrenzen hinweg auf die Beine stellen. Und es machten viele Leute und Vereine mit. Es war wichtig, dass wir Frantschacher zusammenhalten und eine Einheit bilden. Dadurch konnte viel bewegt werden. Wenn man durch die Gemeinde geht, hat man das Gefühl, dass es besser wird, die Häuser sind renoviert und es siedeln sich wieder Betriebe an.

Sie waren ja in mehreren Organisationen tätig, in die Politik wollten Sie nie?

Nein. In der Politik kann man sich mit unternehmerischem Denken ja nur eine blutige Nase holen. Wenn man jetzt nur einmal die Gebührenerhöhungen in Wolfsberg hernimmt: Es fließt Jahr für Jahr Geld in die Gemeindekasse. Ich weiß schon, dass es auch viele Abgaben gibt, die eine Gemeinde zu leisten hat, aber trotzdem wäre so etwas nicht notwendig, wenn man einmal ein wenig Gehirnschmalz verwenden und regelmäßig Systemverbesserungen vornehmen würde. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass man beim Stadionbad, dem KUSS und der Eventhalle wesentlich weniger Abgang machen kann. Während meiner Zeit als Beiratsvorsitzender bei der Stadtwerke GmbH haben wird genügend Ideen vorgelegt, konnten diese aber nicht umsetzen. Meiner Meinung nach stellen sich kleinere Gemeinden wesentlich besser an. Die haben das notwendige Geld angespart, um dringende Sanierungen durchzuführen.

Also haben Sie doch Interesse an Politik, nachdem sie für die ÖVP einige Jahre im Beirat der Wolfsberger Stadtwerke GmbH saßen?

Ich will nicht viel über diese Zeit sprechen. Es wurde unter meinem Vorsitz einiges bewegt, was im Endeffekt niemanden interessiert. So hat die Stadtwerke GmbH erstmals Gewinne geschrieben. Nach den Wahlen im Jahr 2015 habe ich meine Funktion zurückgelegt, denn bei der absoluten Mehrheit der SPÖ konnte man nichts bewegen.

Die Knusperstube haben Sie 2012 an ihren Sohn Peter übergeben. Stehen Sie ihm noch mit Rat und Tat zur Seite?

Ich habe mich aus dem Unternehmen zurückgezogen. Seit 2012 ist Peter der alleinige Geschäftsführer. Davor führten wir den Betrieb vier Jahre gemeinsam. Ich mache lediglich die Öffentlichkeitsarbeit, habe das operative Geschäft aber vollständig aufgegeben. Da hat jetzt Peter das Sagen und er macht seinen Job sehr gut. Die Knusperstube ist anderen Bäckereien um Lichtjahre vorraus. Er führt das Unternehmen modern und vorausschauend, wie ich es nicht geschafft hätte.

Ihnen wurde auch das Kärntner Landeswappen verliehen, sind Sie stolz?

Ich stehe nicht auf Auszeichnungen. In Österreich gehört das leider dazu, aber ich brauche keine Titel. Wenn man mir den »Kommerzialrat« verleihen wollte, ich würde es ablehnen.

Ganz klappt es mit der Pension aber nicht, Sie werden ja auf Firmen ABC noch als Public Relations-Manager geführt. Haben Sie jetzt eine eigene Agentur?

Na ja, Public Relations ist das, was ich kann. Ich helfe Firmen, wenn sie meine Hilfe wollen. Es geht dabei um eines: Wenn ein Unternehmen schlecht läuft, liegt es am Produkt. Ich muss den Leuten klar machen, was mein Produkt kann, was andere nicht können. Geld verdient man  ja nur über das Produkt oder die Dienstleistungen. Ich habe zum Beispiel den Bienenzüchtern geraten: Vergesst die Gerichte, macht PR. Und siehe da, nun gibt es endlich wieder Gespräche.

Wenn man Edwin Stofer googelt, ist der erste Eintrag, den man findet, über Sie als Scientologe. Ärgert Sie das?

Ich bin seit 1979 Scientologe, aber das ist meine private Angelegenheit. Die Knusperstube hat und hatte damit nie etwas zu tun.

Aber Sie sind mit bekannten Scientologen befreundet?

Befreundet kann man nicht sagen, aber ich habe Leute wie Tom Cruise, John Travolta oder Kirstie Alley schon in Amerika getroffen.

Und was steht bei Ihnen in der »Pension« so auf dem Programm?

Der Großteil meiner Bekannten geht in der Pension mit der Frau auf Reisen, aber das ist nicht so meins. Ich möchte weiterhin helfen, wenn es gewünscht wird. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Jäger und habe nun mehr Zeit, mich der Jagd zu widmen.