Werner Kristan über Vergangenheit und Gegenwart

Der heute 76-Jährige war einst einer von Wolfsbergs beliebtesten Faschingsnarren. Heute zieht er seine »Show« privat ab, widmet sich noch immer seinem Modegeschäft und dreht Runden mit der Rikscha.

Werner Kristan fährt mit »Marianne« übern See und mit Huberta um die Welt

Wolfsberg. 50 Jahre lang stand er auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Erst auf jenen der Markusbühne, später bei den Wolfsberger Faschingssitzungen. Seit zehn Jahren ist Werner Kristan »abstinent« – und vermisst das Dasein als Laienschauspieler. Allerdings: Wo er auch hinkommt, zieht der stadtbekannte Wolfsberger auch heute noch seine Show ab. 

Zu den Unterkärntner Nachrichten meinte Kristan am Telefon: »Treffen wir uns beim ›Petute‹«, wie der Wolfsberger Gasthof »Wispelhof« per Vulgonamen betitelt wird. Unter großem Hallo betrat der Seniorchef des Modegeschäfts Kristan 30 Minuten später die Gaststube und warf gleich mehreren Gästen seine Scherze an den Kopf.

Am Tisch wird er aber rasch ernst. Denn die erste Frage lautet: Was meint er dazu, dass es in Wolfsberg keine Faschingssitzungen mehr gibt. »Das ist schade«, sagt der 76-Jährige, »man hätte die Jugend besser einbinden und Werbung an den Schulen machen müssen, damit sich mehr Junge engagieren.« Als er noch aktiv an den Faschingssitzungen mitwirkte, sei es eine lustige Truppe gewesen, sagt er: »Wir hatten einen tollen Zusammenhalt, alle Mitwirkenden waren super.«
Kristan trat im Duett mit Uli Lackner auf. »Bei einer Tanznummer rutschte sie mir davon und tat sich weh. Dafür hat sie mir in der Pause eine Ohrfeige verabreicht«, erzählt er schmunzelnd und zückt Fotos, die ihn mit seiner früheren Bühnenpartnerin zeigen.

Dann geht er in der Vergangenheit ein Stück weiter zurück – zur Markusbühne, die er 1958 mitbegründete. »Ich bin über die katholische Arbeiterjugend zur Schauspielerei gekommen«, sagt Kristan. »Dort hielt der Wolfsberger Arzt Stanislaus Smolnig einen Vortrag und suchte Leute für die Bühne. Mit Franzi Kienzl, Otto Schleifer, Horst Eberhard, Norbert Salznig und Christl Vallant haben wir die Markusbühne gegründet« – und etlichen Komödien unter Smolnigs Regie neues Leben eingehaucht. Auch heute noch ist Kristan Mitglied der Bühne und unterstützt sie quasi ideell, »denn Mitgliedsbeiträge gibt es bei uns nicht«.

Marianne liegt am See
Die Schauspielerei ist nicht das einzige Steckenpferd des 76-Jährigen. Zum einen steht er noch täglich im Modegeschäft, dass er bereits an Tochter Birgit übergeben hat. Zum anderen segelt er leidenschaftlich. Kristan hat am Wörthersee seine »Marianne« liegen, ein zwölf Meter langes Boot, das vor rund 90 Jahren gebaut wurde und 1936 an der Olympiade in Kiel teilnahm. »Ich habe es seit 40 Jahren«, sagt er, »und bin im Sommer regelmäßig damit unterwegs.«
Unterwegs ist er überhaupt viel. Wenn nicht mit »Marianne«, dann mit Ehefrau Huberta. Gemeinsam bereiste das Paar die halbe Welt, von Indonesien über Nepal bis nach Israel blieb keine Kulturstätte unbesichtigt. Wieder in Wolfsberg, schwingt sich Kristan auf seine Fahrrad-Rikscha und dreht eine Runde. Früher tat er das besonders ausgiebig vor WAC-Spielen: Mit gehisster Vereinsfahne umkurbelte er den Fußballplatz. Überhaupt hat er eine lange Beziehung zum Verein: »Ich war rund 20 Jahre lang zweiter Präsident des WAC. Wir waren einmal oben, einmal unten.« Der jetzige WAC-Boss Dietmar Riegler macht laut dem Wolfsberger Original einen »guten Job«, an einen baldigen Meistertitel will er trotzdem nicht glauben: »Dafür ist Salzburg zu stark.«

Aber – man möchte es nicht glauben – Kristan kann nicht nur lustig, sondern auch zornig sein. Wie vor einigen Jahren, als ihn die Kärntner Politik in Rage versetzte. Also besang er eine CD mit dem Lied »Kärntnerland, allerhand«, getextet von Simone Muck, komponiert von Daniel Muck, in dem er die Herren Politiker auf die Schaufel nahm. Auch eine Art, dem Ärger Luft zu machen ...