Erste gleichgeschlechtliche Hochzeit im Tal

Siegrid Winkler-Neumeier und Andrea Neumeier sind seit elf Jahren ein Paar. Sie haben am 21. Februar geheiratet und wollen aufzeigen, wie schwierig es war, ihre Liebe auch gesetzlich anerkennen zu lassen.

Erste gleichgeschlechtliche Hochzeit im Lavanttal – und der steinige Weg dahin

Wolfsberg. Sie sind das erste weibliche Paar, das im Lavanttal den Bund fürs Leben geschlossen hat: Andrea Neumeier, 47, und Siegrid Winkler-Neumeier, 36. Am 21. Februar gaben sie sich am Wolfsberger Standesamt das Jawort. »Die Hochzeit war für uns etwas ganz Besonderes«, sagt Andrea. Nicht zuletzt deshalb, weil der Weg dahin mit bürokratischen Dornen gespickt war. Darüber zu sprechen liegt beiden am Herzen.

»Der 21. Februar war für uns so wichtig, weil wir uns an diesem Tag vor elf Jahren kennengelernt hatten«, sagt Siegrid. Damals, 2008, gab es für homosexuelle Menschen noch keine Möglichkeit zu heiraten. Im Laufe ihrer folgenden Beziehung setzten sie alles daran, ein Paar zu werden, das vor dem Gesetz gleichgestellt ist.

Andrea: »Alle Rechte, die Homosexuelle erreicht haben, kamen nicht freiwillig, sondern mussten erstritten werden.« Und Österreich erwies sich dabei – im Gegensatz zu anderen Staaten wie etwa dem streng katholischen Irland – als widerständig. Als Beispiel nennen die Wolfsbergerinnen die eingetragene Partnerschaft. Siegrid: »Sie galt seit 2010 und war anfangs nur für homosexuelle Paare gedacht. Das heißt, jeder, der sie einging und danach bei Ämtern seinen Familienstand anzugeben hatte, war geoutet.« Also verzichteten viele darauf, da sie sich den Schritt in die Öffentlichkeit beruflich nicht leisten konnten.

Gezählte 44 rechtliche Unterschiede bestanden zwischen der eingetragenen Partnerschaft und einer Ehe – alle zum Nachteil der Homosexuellen, darunter die staatliche Verweigerung einer Witwenpension, wenn ein Partner starb. Namensangleichungen erfolgten außerdem nicht automatisch, sondern mussten beantragt und bezahlt werden. Ein Ärgernis nach dem anderen. 

Andrea und Siegrid wollten sich trotzdem verbinden – und standen vor gewaltigen Hürden. »2012 entschlossen wir uns dazu«, erzählt Andrea – »und dann ging es los.« In Wolfsberg wäre die Verpartnerung damals nur auf der Bezirkshauptmannschaft möglich gewesen – beim zuständigen Amt für Jagd und Fischerei (!). Nicht sehr feierlich.

Also wichen die zwei nach Villach und aufs dortige Standesamt aus, wo sie das Ereignis wie eine Hochzeit feierten (allerdings ohne Beistände, da die nicht vorgesehen waren). Denn sie glaubten nicht mehr daran, sich je wie Heterosexuelle verbinden zu können.

2017 dann das Urteil des Verfassungsgerichtshofs. Er hatte fünf Kindern recht gegeben, die zwar mittels (erlaubter) Samenspenden als Kinder homosexueller Paare geboren worden waren, von Amts wegen aber als unehelich galten. Die Richter sahen darin eine Diskriminierung und ordneten die Ehe für alle an. Ergebnis: Seit 1. Jänner 2019 dürfen Frauen Frauen und Männer Männer ehelichen.

Hochzeit  absagen?

Andrea und Siegrid sagten sofort: »Wir heiraten!« Freilich wusste niemand, wie die Zeremonie ablaufen sollte, da Informationen der Regierung fehlten. Dazu kam die Frage: Muss man sich entpartnern, um die Ehe eingehen zu können? Keiner wusste es. »Wir wollten schon auf die Hochzeit verzichten«, sagt Andrea. »Dann dachten wir, nein, es ist unser Recht!« Und mit tatkräftiger Unterstützung von Daliah Groß vom Wolfsberger Standesamt (»Wir schulden ihr großen Dank! Sie hat auch die Zeremonie wunderbar gestaltet«) wurde die Ehe geschlossen.

 »Die Trauung war so schön«, sagen beide, »wir hatten es geschafft! Wir sind heterosexuellen Paaren gleichgestellt, unsere Liebe wird anerkannt wie jede andere auch.« Noch schöner wäre für Andrea und Siegrid, wenn homosexuelle Hochzeiten in einigen Jahren für jedermann normal wären. Es wird sich weisen ...