Lithium: Das „Gold der Weinebene“ beeindruckt internationale InvestorenAusgabe | Dienstag, 26. Juni 2018

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WOLFSBERG. Es ist ein langer und beschwerlicher Weg – von Wolfsberg ausgehend erst auf gut ausgebauter Asphaltstraße und die letzten zwei Kilometer auf einer Forststraße über Stock und Stein – bis man am Ziel angekommen ist. Dieses liegt auf rund 1.500 Metern Seehöhe und mitten im Wald der Weinebene. Und es gibt vorerst keinen handfesten Hinweis darauf, warum es sich noch dazu um ein besonders lohnendes Ziel handeln soll, außer man wäre auf eine schöne Almwanderung aus. So erging es wohl gar nicht weni- gen der insgesamt rund 100 gela- denen Gäste – vor allem Aktionäre und Investoren –, die sich in der Vorwoche ein Bild von der dort situierten Lithium-Mine machen konnten, in der das gefragte Element ab 2021 in großem Stil abgebaut werden soll.

 

WOLFSBERG. Die zwei Besucher- gruppen mit Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und Belgien waren am Dienstag bzw. Mittwoch der Vorwoche im Lavanttal zu Gast. Der erste Termin war größtenteils sogenannten institutionellen Investoren, wie Banken und Unternehmen, sowie Aktionären vorbehalten und tags darauf waren es vorwiegend potenzielle Einzelinvestoren sowie Vertreter der Politik und von Wirtschaftsorganisationen. Sie alle konnten sich vor Ort ein umfassendes Bild davon machen, warum eine Investition in das Lavanttaler Bergwerk lohnend sein soll und welche potenziellen Möglichkeiten damit in Zusammenhang stehen. Lithium ist bekanntermaßen ein global zunehmend gefragter Rohstoff und dieser hat unter anderem als Hauptbestandteil von Lithium-Ionen-Akkus enorme Bedeutung in der Elektromobilität.

 

Neuer Geschäftsführer

Willkommen geheißen wurden die Gruppen von Dietrich Wanke am Bürostandort des Unternehmens in Wolfsberg-Süd. Er verfügt über fundierte internationale Bergbauexpertise, ist seit 2016 mit an Bord des Projekts und seit einem Monat neuer Geschäftsführer von European Lithium. Die erste Station der von ihm geleiteten Tour war das Bohr- kernlager im Ortsteil Allgäu, das die beauftragten Geologen in den letzten Jahren angelegt haben. Basierend auf deren Erkenntnissen konnte ja erst die ausgesprochen positiven Prognosen für das Vorkommen des begehrten Rohstoffs getroffen werden.

 

Unabhängigkeit als Ziel

Wanke berichtete den interessierten Gästen aber nicht nur vom be- trächtlichen Volumen der Lagerstätte auf der Weinebene und von der Qualität des dort vorgefundenen Lithiums, sondern unter anderem auch von der „Europäischen Batterie Allianz“, die von der EU gegründet wurde, um unter anderem von der asiatischen Produktion unabhängiger zu werden.

 

Abbau-Start in drei Jahren

Der Geschäftsführer stellte darüber hinaus den weiteren Fahrplan vor, der im Wesentlichen vorsieht, ab 2020/2021 mit dem Abbau im industriellen Stil mithilfe vollautomatischer Maschinen zu beginnen. „Laut der uns vorliegenden bestätigten Erkenntnisse sind wir ausgesprochen optimistisch. Das Erz weist einen 1,6-prozentigen Anteil von Lithiumoxid mit einem hohen Reinheitsgrad auf und wir gehen von einer Ressourcengröße von über 20 Millionen Tonnen aus. Noch heuer wird die endgültige Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, danach sind die umfangreichen Genehmigungsverfahren abzuarbeiten und dann kann mit der Auffahrung der Mine begonnen werden“, so Wanke. Der vor allem hinsichtlich des Umsetzungszeitplans unschätzbare Vorteil des Projekts liege darin, dass man bereits eine Stolleninfrastruktur habe, so Wanke. „Das ist ein Goldgriff, denn die Errichtung eines neuen Bergwerks ist in der heutigen Zeit so gut wie aussichtslos.“

„Arbeiten mit Hochdruck“

European Lithium-Direktor Stefan Müller ging im Gespräch mit den Gästen auf weitere Details des Projekts und den aktuellen Stand der Dinge ein:

„Die vor kurzem abgeschlossene Vormachbarkeitsstudie hat die wesentlichen Annahmen mehr als bestätigt und es könnte in der zweiten bekannten Lagerstätte auch noch jede Menge Lithium vorhanden sein – das ist vorerst aber Zukunftsmusik. Jetzt arbeiten wir parallel an der Umwandlung der österreichischen Tochtergesellschaft ECM Lithium AT GmbH (die das Wolfsberger Projekt besitzt und sich zu 100 Prozent im Besitz von European Lithium Limited befindet, Anm.), in die börsennotierte European Lithium AG. Auf allen Ebenen geht es mit Hochdruck voran, um European Lithium Limited als ersten Lithium-Produzenten in Europa zu etablieren – und als größten noch dazu.“

 

Geschichtsträchtige Mine

Danach ging es mit dem Bus auf die Weinebene, wo die Minenbesichtigung auf dem Programm stand und die Gäste einen umfassenden Einblick bekamen. Vom Parkplatz mitten im Wald wurden die Besucher durch das Mundloch bis 50 Meter unter Tage geführt und konnten mithilfe ihrer Grubenlampen die lithiumführenden, silbern glänzenden Adern bewundern, die das Gestein durchziehen.

Vor allem für diejenigen ein besonderes Erlebnis, die bereits in European Lithium investiert haben und so erstmalig „ihr“ künftiges Bergwerk besucht haben. Die Ursprünge der Explorationsarbeiten im Traudi-Stollen gehen ja auf die 1970er-Jahre zurück, als die Republik Österreich auch auf der Weinebene nach Uran für das Atomkraftwerk Zwentendorf gesucht hat.

Diese Suche verlief leider (oder glücklicherweise) erfolglos und für das gefundene Lithium gab es damals noch keinen nennenswerten Bedarf. Um einen symbolischen Schilling wurde die stillgelegte Grube an die Kärntner Montanindustrie übergeben, die sie jahrzehntelang instandgehalten hat, bis sie vor sieben Jahren um gut neun Millionen Euro an die australische East Coast Minerals verkauft wurde.

 

Die weiteren Schritte

Die Besucher zeigten sich vom Gesehenen und Gehörten jedenfalls schwer beeindruckt – insbesondere auch von den weiteren Plänen. Stefan Müller: „In die Errichtung und Ausstattung des Bergwerks sowie die Weiterverarbeitungsinfrastruktur werden wir in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro investieren.“ Dietrich Wanke ergänzte: „Es wird eine Anlage errichtet, um das Lithium aus dem Gestein zu extrahieren und industriefertig aufzubereiten. Als mögliche Standorte dafür kommen Deutschlandsberg oder St. Paul, beim neuen Gewerbepark, in Frage. Transporttechnisch wäre das kein Problem – das wären nicht mehr als 20 Lkw-Fuhren täglich.“

 

 

 

 

 

 

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