Die Sturzbach-Gämswurz: Eine Pflanze, die nur auf der Koralm wächst, soll besser geschützt werdenAusgabe 28 | Mittwoch, 10. Juli 2019

Die gelbblühende Staude kennen derzeit nur Eingeweihte. Das soll sich jetzt mit Hilfe eines Folders, der bei den Gemeinden und im Land erhältlich ist, ändern. Dazu sind weitere Schutzmaßnahmen angedacht, um die sensible Pflanze nicht für immer zu verlieren.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Gemeinsam für den Schutz der Sturzbach-Gämswurz, die weltweit nur auf der Koralpe wächst: Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz, Biologin Susanne Aigner, Bürgermeister Peter Stauber, Jürgen Petutschnig (Leiter »eb&p Umweltbüro GmbH«), Unterabteilungsleiter Christian Kau und Bürgermeister Karl Markut (v. l.). Foto: Hok

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Lavanttal. Sie ist eine gelbblühende Hochstaude, die bis zu 1,3 Meter hoch wird und deren Stängel vier bis zehn kräftig-gelbe Blütenkörbe tragen, die den Ahnungslosen an eine Sonnenblume erinnern. Ihr Name ist Sturzbach-Gämswurz – und es gibt sie weltweit nur auf der Koralm.

Damit das so bleibt und die unter Schutz stehende, gefährdete und der Allgemeinheit nahezu unbekannte Pflanze auch weiterhin im Lavanttal blüht, arbeiten jetzt die »eb&p Umweltbüro GmbH«, die Landesunterabteilung für Naturschutz und die Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (Wolfsberg), Peter Stauber (St. Andrä) und Karl Markut (St. Georgen) Hand in Hand. Gemeinsam wollen sie die Bevölkerung nicht nur auf die Besonderheit der Sturzbach-Gämswurz aufmerksam machen, sondern auch ihr Überleben sichern.

In der Steiermark verschwunden
Am Anfang stand eine Initiative der »eb&p Umweltbüro GmbH« und der Landesunterabteilung. Im Juli 2018 startete eine Begehung des Verbreitungsgebiets der Pflanze, bei der ihre Wuchsorte erfasst wurden. Die Idee dazu hatte Susanne Aigner, früher Mitarbeiterin der »Umweltbüro GmbH« und heute selbstständige Biologin, während eines Gesprächs mit steirischen Kollegen. »Denn auf der steirischen Seite der Koralm, wo die Sturzbach-Gämswurz früher auch vorkam, ist aufgrund intensiver Nutzung vieles verschwunden«, so Aigner. Um das zu verhindern, entschlossen sich der Leiter der »Umweltbüro GmbH«, Jürgen Petutschnig, und Unterabteilungsleiter Christian Kau, einen Folder über die Pflanze aufzulegen, mit der die Bevölkerung sensibilisiert werden soll.

»Wir haben uns für den Folder und gegen eine Verheimlichung der Pflanze entschieden«
Jürgen Petutschnig, »eb&p Umweltbüro GmbH«

Erhältlich ist der Prospekt bei den Gemeinden Wolfsberg, St. Georgen, St. Andrä und Frantschach-St. Gertraud, sowie beim Land Kärnten und der »eb&p Umweltbüro GmbH«.
Aigner kann sich auch weitere Schutzmaßnahmen vorstellen: »Einige Standorte der Pflanze sind gefährdet, etwa durch Beweidung. Die Almwirtschaft soll nicht eingeschränkt werden, aber manche Bereiche sollten geschützt werden.« Petutschnig schlägt Verträge mit den betroffenen Landwirten vor, um bedrohte Lebensräume der Sturzbach-Gämswurz einzäunen zu können. Auch Kau tritt für  Vereinbarungen mit Grundeignern ein, verbunden mit eventuellen Förderungen, um den Anreiz zum Mitmachen zu steigern.

Bürgermeister Stauber: »Man könnte entlang von Wanderwegen auch Informationstafeln über die Sturzbach-Gämswurz anbringen.«  Freilich soll nicht jedes Vorkommen ausgewiesen werden, um »Beutesuchenden« die Arbeit nicht allzu leicht zu machen. Der Problematik, dass die Pflanze durch den Folder jetzt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Raritätenjägern gelangt, sind sich alle Beteiligten bewusst. »Wir haben uns gegen eine Verheimlichung entschieden«, so Petutschnig, um die Sturzbach-Gämswurz nicht aufgrund von Unkenntnis zu Schaden kommen zu lassen.

Ortsaugenschein
Die Bürgermeister Schlagholz, Markut und Stauber werden sich nun vor Ort ein Bild der Lage machen. Noch während der Pressekonferenz, bei der der Folder vorgestellt wurde, vereinbarten sie einen gemeinsamen Ortsaugenschein auf der Koralm. Denn nun gilt es, die Sturzbach-Gämswurz genauso bekannt zu machen wie die Wulfenia, die Kärntner Nationalpflanze.

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