»Hoppalas und kleine Fehler passieren ständig – das Schönste am Theater sind die Pannen«Ausgabe 31 | Mittwoch, 31. Juli 2019

Der Lavanttaler Tenor Markus Murke trat bei den Salzburger Festspielen, in München oder in Wuppertal auf die Bühne. Aktuell ist er in Graz engagiert und spielt im Sommer in Eberndorf. Mit uns sprach er über die »Neffen von Tante Eleonor« und seine liebste Rolle.

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Wann erkannten Sie Ihr Gesangstalent?
Die Liebe zur Musik und zum Singen war immer schon da. Mein Vater erzählt gern, dass mein Zwillingsbruder Christoph und ich schon als Kleinkinder dreistimmig mit unseren Eltern gesungen haben. Wie das allerdings damals geklungen hat, weiß ich nicht (lacht). 

Von wem wurde Ihr Talent erkannt? 
Meine älteren Kusinen haben uns als Kinder ermutigt und vermittelt, dass Singen glücklich macht. Und ein Förderer war in gewisser Weise auch Gerold Kaplaner aus St. Andrä, der mich und Christoph im Musikunterricht immer vorsingen ließ. Das stärkte sicher das Selbstbewusstsein, das man in diesem Beruf unbedingt braucht.

Wo wurden Sie ausgebildet?
Das Gesangsstudium bei Prof. Ulrike Finder am Kärntner Landeskonservatorium habe ich mit Diplom abgeschlossen. Zudem Meisterklassen u.a. bei Staatsopern-Star Krassimira Stoyanova, Wolfgang Müller-Lorenz, Rainer Trost.

»In Eberndorf kann ich die geilsten Italo-Schlager und Klassiker wie ›O sole mio‹ singen«
Markus Murke, vielseitiger Opernsänger

Wann verdienten Sie in Ihrem Beruf das erste Geld?
Ich gehörte zur Gründungsformation der Acapella-Gruppe »Die Neffen von Tante Eleonor«, mit der wir schon mit Anfang 20 sehr erfolgreich unterwegs waren. Schon während des Studiums trat ich auch bei den Südkärntner Sommerspielen auf.

Welche Musikrichtung ist Ihnen persönlich die liebste?
Ich habe keinerlei Berührungsängste mit keinem Genre, ob Jazz, Musical, Kirchenmusik, Operette oder aktuell zum Beispiel Pop, wo ich in Eberndorf dreimal pro Woche die geilsten Italo-Schlager und zusätzlich klassische Lieder wie »O sole mio« singen kann. Insofern empfinde ich Musik als ein super Vorbild für die Gesellschaft und das Leben generell: Die bunte Vielfalt macht‘s.

Sie haben berufliche Stationen in Klagenfurt, München, Wuppertal durchlaufen und sind jetzt in Graz engagiert. Siedeln Sie dafür jedes Mal um, nehmen sie temporäre Wohnsitze oder wie handhaben sie die vielen Ortswechsel?
Reisen und Ortswechsel gehören zu diesem Beruf dazu und haben auch immer etwas Aufregendes. 

Angesichts all dieser Ortswechsel: Wo befindet sich Markus Murkes ganz persönlicher  Lebensmittelpunkt?
Im Winter in Graz und jetzt im Sommer in Kärnten.

Sie sind in Leoben geboren, aber im Lavanttal aufgewachsen und bezeichnen sich selbst als Kärntner Tenor. Wie kamen Sie ins Tal?
Meine Familie stammt aus St. Andrä bzw. St. Michael, und meine Eltern waren zum Zeitpunkt meiner Geburt beruflich in der Steiermark stationiert. Mit fünf Jahren bin ich dann mit übersiedelt und sozusagen Kärntner geworden.

Können Sie sich eine dauerhafte Rückkehr ins Lavanttal vorstellen?
Ich bin oft und immer wieder gern hier und verbringe vor allem während der Sommermonate viel Zeit in St. Andrä, von wo aus ich zu den Proben und Aufführungen der Sommerspiele in Eberndorf fahre. Außerdem werde ich bald Onkel und das ist natürlich ein weiterer freudiger Grund für häufigere Besuche im Tal.

Ihr Beziehungsstatus?
Ich lebe seit zwölf Jahren in einer Beziehung.

Welche Rolle ist Ihnen auf der Bühne die Liebste?
Jeder Akteur würde sagen, die aktuelle. Und das ist auch so! Im Moment genieße ich die Figur des Kellners Fabrizio in der »Wirtin« bei den Sommerspielen Eberndorf aus voller Seele. Es ist einfach etwas Besonderes, so eine Hauptrolle in diesem lustigen 70er-Jahre Ambiente und dem tollen Team zu spielen, singen und tanzen zu können. Ich kann nur sagen: Jeder, der das verpasst, versäumt heuer echt etwas in Unterkärnten.

Welchen Part bzw. welche Rolle möchten Sie unbedingt singen/spielen, bisher klappte es damit aber nicht?
Die Rolle des »Don José« in der Oper »Carmen« zum Beispiel ist so eine Traumpartie für mich, und einmal wäre es sogar schon fast wahr geworden. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben!

Wer ist Ihr liebster Regisseur?  Und unter welchem Regisseur wollen Sie im Leben niemals arbeiten?
Ich bin offen für alle Regiestile und Zugangsweisen mit Herz und Hirn. Natürlich war es aufregend und lustig, an der Grazer Oper mit einem ausgebildeten Clown wie Rolando Villazón als Regisseur zu arbeiten, oder Stefan Herheims exakte Musiktheaterphantasien in Salzburg zu erfüllen. Ein moderner Schauspielregisseur wie Patrick Steinwidder, der in London und München bei Martin Kusej inszeniert hat, arbeitet in Eberndorf mit der Stanislawski-Methode wie auch ein Robert DeNiro oder Al Pacino, das ist wieder eine ganz andere Herausforderung.

Erfordert Ihr Beruf Verzicht im Privatleben im Hinblick auf Ihre Stimme (Stichworte Zigaretten, Alkohol)?
Natürlich achtet man auf diese zwei winzigen Muskeln im Körper, die im Idealfall so Großes leisten müssen, um unverstärkt über ein 60-köpfiges Orchester drüber zukommen. Die wahre Feindin der Stimmbänder ist aber die Klimaanlage. Das gilt für uns alle, Sänger und Nicht-Sänger. Ich sage nur: befeuchten, befeuchten! (lacht.)

Passierte Ihnen auf der Bühne jemals ein kleines Hoppla?
Ach, Hoppalas und kleine Fehler passieren allen und ständig, weniger beim Singen als beim Spielen. In Eberndorf habe ich zum Beispiel letztens einen Auftritt verschlafen – Theaterspielen ist sehr fragil und komplex. Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert, und es entsteht ein Dominoeffekt für die Mitspieler. Aber die Kunst ist es, die Spannung trotzdem zu halten, sodass das Publikum nichts von der entstandenen kurzen Unsicherheit spürt. Und ich glaube, es war der große Burgtheaterregisseur George Tabori, der sagte, das Schönste am Theater seien die Pannen. Das ist menschlich.

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