Seniorengesundheit: Vom neuen Umgang mit dem Thema Alter

Altwerden und Altsein gehören zum Leben. Obwohl das schon immer so war, betri t das Thema Alter heute weitaus mehr Menschen als jemals zuvor. Durch die Fortschritte der modernen Medizin und manche andere Faktoren ist Langlebigkeit keine seltene Ausnahme mehr, sondern eher zum Normalfall geworden. Angesichts dieser positiven Entwicklung fordern viele Fachleute, mit dem Thema Alter in der Gesellschaft ganz anders umzugehen.

Seniorengesundheit: Vom neuen Umgang mit dem Thema Alter

Die gegenwärtige Bevölkerungs- entwicklung spricht eine deutliche Sprache: Die Österreicher werden, im statistischen Mittel gesehen, immer älter. Und dieser Trend hält offenbar auch noch in den nächsten Jahrzehnten an. Die steigende Lebenserwartung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, wobei jedoch der medizinische Fortschritt eine beson- ders große Rolle spielt. Das wirkt sich auch auf die Altersverteilung in der Gesellschaft aus. Derzeit rechnet man damit, dass um das Jahr 2030 bereits jeder dritte Mensch der Generation 60+angehören, also 60 Jahre alt oder älter sein wird. Diese Entwicklung, die schon seit geraumer Zeit zu beobachten ist, wird von großen Herausforderungen begleitet, denen sich die gesamte Gesellschaft stellen muss. Viele Fachleute sind davon überzeugt, dass es immer dringender notwendig wird, mit den Themen Alter und Altern in vielerlei Hinsicht anders umzugehen als bisher.

 

Älterwerden war früher anders

Tatsächlich war in puncto Älterwerden früher vieles anders. Freilich haben auch die Generationen vor uns – denken wir nur an unsere Groß- und Urgroßeltern – den Prozess des Älterwerdens und Altseins nicht nur am eigenen Leib erlebt, sondern mussten auch innerhalb ihrer Gemeinschaften irgendwie damit umgehen. Dennoch sieht es ganz danach aus, als hätten sich die Verhältnisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts bereits deutlich geändert. Altseinscheintheutzutageanders zu funktionieren. Während sich die Alten früher mit den Jahren immer mehr zurückzogen, für sich, in der engeren Familie oder unter ihresgleichen blieben, sind ältere Menschen heute sehr oft noch voll in die Gesellschaft integriert. Viele haben wichtige Aufgaben in der Familie, im Freundeskreis, in Vereinen oder Organisationen zu erfüllen, verfügen oftmals über ein dichtes Netzwerk von Kontaktenundsindmitdenmodernen Medien, mit Smartphone und Internet bestens vertraut. Außerdem sind sie auch körperlich häufig um einiges tter, als es ältere Menschen in früheren Zeiten waren. Das hat vor allem damit zu tun, dass altersbedingte körperliche Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen infolge jahrzehntelanger schwerer Arbeit heutzutage schon seltener geworden sind. Zwar gibt es insgesamt nicht weniger Gelenkersatzoperationen als früher, aber die dienen oft vorrangig der Verbesserung der Lebensqualität und der Aufrechterhaltung der persönlichen Leistungsfähigkeit. An den Spezialabteilungen von Krankenhäusern und Kliniken informiert, berät und operiert man immer öfter Se- niorinnen und Senioren, die es sich in den Kopf gesetzt haben, auch noch im Alter so t und aktiv wie irgendwie möglich zu sein und altersbedingte Einschränkungen etwa beim Sport und beim Reisen nicht einfach so hinnehmen wollen. Immerhin will man mit den Kindern und Enkeln noch gut mithalten können. Vom veränderten Umgang mit dem Alter, in erster Linie dem eigenen, sind jedoch nicht nur die körperlichen Belange betroffen. Auch die psychische Fitness hat heute einen ganz anderen Stellenwert als früher.

 

Das Alter selbst ist keine Krankheit

Mit diesen Veränderungen und dem immer höheren Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung gehen zusätzliche Aufgaben für das Gesundheitssystem einher. In den Gesundheitseinrichtungen muss man sich darauf einstellen, dass man es künftig mit immer mehr älteren und betagten Patienten zu tun bekommen wird. Das betrifft u.a. die Strukturen ganzer Krankenhäuser, in denen künftig in vielen Abteilung mehr ältere als junge Patienten zu nden sein werden. Und darauf muss man entsprechend vorbereitet sein. Die medizinische Versorgung und die damit verbundene Pege müssen möglichst optimal an die besonderen Bedürfnisse dieser großen Gruppe angepasst werden. So geht es bei älteren Menschen meistens nicht allein um eine derjenigen Erkrankungen, die im Alter besonders häufig auftreten (z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Parkinson, Demenz, die Folgen von Stürzen und Abnutzungserscheinungen). Je älter die Patienten nämlich sind, desto häu ger haben es die Ärzte mit Mehrfacherkrankungen zu tun. Die Behandlung erfordert dann ein spezielles Vorgehen, wobei die Zusammenarbeit mehre- rer medizinischer Disziplinen besonders wichtig ist. Nicht immer wird die vermeintlich schwere Erkrankung zuerst behandelt, sondern oft diejenige, die den Patienten am meisten einschränkt.