Wenn plötzlich jeder Antrieb fehlt: Frühjahrsmüdigkeit

Frühjahrsmüdigkeit ist glücklicherweise keine Krankheit. Früher wurde sie oft für bloße Einbildung gehalten oder auf einen Vitaminmangel nach den Wintermonaten zurückgeführt. Heute weiß man jedoch mehr darüber. Vor allem das Sonnenlicht, höhere Temperaturen und saisonal bedingte Veränderungen im Hormonhaushalt spielen eine Rolle. Und es gibt nützliche Tipps, wie man die Müdigkeit rascher vertreiben kann.

Wenn plötzlich jeder Antrieb fehlt: Frühjahrsmüdigkeit

Viele Menschen kennen es zur Genüge: Immer dann, wenn es endlich Frühling ist, draußen wärmer wird und die Natur und der eigene Garten zu mehr Aktivität im Freien einladen, befällt den Körper eine merkwürdige, oft bleierne Müdigkeit. In der Früh ist es oft schwer, überhaupt aufzustehen, und manche Betroffene klagen sogar über Missempfindungen in Muskeln und Gelenken. Die Müdigkeit tritt scheinbar ohne Grund tagsüber auf und macht sich dadurch umso unangenehmer bemerkbar. Man fühlt sich schlapp und irgendwie ausgelaugt, zu kaum noch etwas wirklich in der Lage. Es kann ein paar Tage, aber auch zwei oder drei Wochen dauern, ehe die Müdigkeit und die Beschwerden wieder nachlassen und der ganze Spuk vorbei ist.

 

Frühjahrsmüdigkeit ist nicht gefährlich

Nach Expertenschätzungen kennen etwa 30 bis 40 Prozent der Österreicher diese Form der Müdigkeit aus eigener Erfahrung. Viele von ihnen erleben jedes Jahr zu Frühlingsbeginn eine allgemeine Antriebs- und Lustlosigkeit, mit der manchmal auch ungewöhnliche Stimmungsschwankungen verbunden sind. Zum Glück ist dieses störende und oft ziemlich belastende Phänomen keineswegs das Anzeichen einer Krankheit, sondern vielmehr eine harmlose, wenn auch weit verbreitete Befindlichkeitsstörung. Sie ist, wie der Name „Frühjahrsmüdigkeit“ schon sagt, eine saisonal bedingte Erscheinung und kann sich vor allem in der Zeit von Ende März bis in den Mai hinein bemerkbar machen. Wer davon betroffen ist, hat zumindest einen echten Trost: Klingt die Müdigkeit nämlich endlich wieder ab, werden plötzlich scheinbar ganz neue Kräfte frei. Die Lebensgeister sind wieder erwacht, man spürt alles intensiver, und endlich kann man wieder so richtig durchstarten. Manche fühlen sich dabei, als könnten sie nun tatsächlich Bäume ausreißen.

 

Was steckt hinter der Antriebslosigkeit?

Vorausgesetzt, dass Müdigkeit und Abgeschlagenheit nicht doch mit einer anderen Erkrankung zusammenhängen (das sollte man im Zweifelsfall ärztlich abklä- ren lassen), liegt die Frage durchaus nahe, woher die Müdigkeit im Frühling eigentlich kommt. Darüber haben sich schon viele Wissenschaftler und Ärzte die Köpfe zerbrochen und im Laufe der Zeit so manche Erklärung gefunden. Während man die Frühjahrsmüdigkeit früher oft für bloße Einbildung hielt, versuchte man später, sie mit einem Vitaminmangel zu erklären. Die vitaminärmere Kost in den Wintermonaten, so das Argument, habe zu einer Mangelver- sorgung des Körpers geführt, die sich nun in Form von Kraft- und Antriebslosigkeit bemerkbar mache. Eine Erklärung, die zumin- dest heute kaum noch zutreffen kann. In Zeiten, da Obst, Gemüse und andere vitaminreiche Nahrungsmittel das ganze Jahr über in jedem Supermarkt zu kaufen sind, kommt ein echter Vitaminmangel in unseren Breiten nur noch selten vor.

 

Licht und Wärme spielen eine große Rolle

Obwohl die wahren Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit noch immer nicht bis ins letzte Detail erforscht sind, glauben viele Wissenschaftler, die Zusammenhänge wenigstens einigermaßen zu verstehen. Demnach kommt es nach den langen und eher lichtärmeren Wintermonaten im Frühling zu einigen wichtigen Veränderungen im menschlichen Organismus. Ausgelöst werden sie vor allem von den Sonnenstrahlen, von denen man heute weiß, dass sie der wahrscheinlich wichtigste Taktgeber in der Natur sind. Das Sonnenlicht beein usst nicht nur die Tier- und die Pflanzenwelt, sondern auch die Menschen. Auf dieser Basis wird dann auch erklärbar, warum das Phänomen „Frühjahrsmüdigkeit“ nicht überall auf dem Planeten gleichermaßen eine Rolle spielt. Tatsächlich kommt sie nur in geogra schen Breiten vor, in denen Jahreszeiten durch große Temperaturunterschiede voneinander abzugrenzen sind. Das ist bei uns in Mitteleuropa der Fall, wo ein relativ kalter Winter von einem normalerweise viel wärmeren Frühling abgelöst wird.
Während manche Tiere aus ihrem Winterschlaf erwachen und auch der Planzenwelt neue Kräfte zur Verfügung stehen, kommt es im menschlichen Organismus zu einigen Veränderungen. Für den Organismus geht es darum, sich an die höheren Umgebungstemperaturen optimal anzupassen. So werden etwa unter dem Ein uss der Wärme die Blutgefäße etwas weiter, was bei manchen Betroffenen zu Schwankungen und Veränderungen des Blutdrucks führt. Kreislaufprobleme sind dann die Folge. Schon allein das kann zum Auslöser von Müdigkeit und Missempndungen werden. Wissenschaftler konnten aber auch zeigen, dass es im Frühjahr zu Umstellungen im Hormonhaushalt kommt. Während der Körper im Winter besonders viel Melatonin produzierte (jenes Hor- mon, das den Tag-Nacht-Rhythmus im Körper steuert), wird mit Winterende und Frühlingsbeginn die Freisetzung dieses „Schlafhormons“ deutlich gedrosselt. Dafür wird nun mehr Serotonin, also das berühmte „Glückshormon“, freigesetzt. Zu Müdigkeitserscheinungen kommt es in dieser Phase deshalb, weil der Hormonhaushalt erst wieder zu seinem neuen Gleichgewicht nden muss. Sicher ist auch, dass diese hormonelle Umstellung durch die Zeitumstellung von der Winterzeit auf die Sommerzeit noch zusätzlich erschwert wird. Diese willkürliche Zeitumstellung kann den Organismus und den Hormonhaushalt noch stärker durcheinanderbringen und die Frühjahrsmüdigkeit auf diese Weise steigern.

 

Aktivierende Maßnahmen

Weil der Körper die Umstellung des Hormonhaushalts einfach durchmachen muss, kann die Frühjahrsmüdigkeit bei den Betroffenen nicht ganz verhindert werden. Aber es gibt durchaus Mittel und Wege, um die damit verbundenen Beschwerden wenigstens zu mildern. Ärzte raten vor allem zu aktivierenden Maß- nahmen:

  • Am Morgen trotz eventueller Antriebslosigkeit möglichst schwungvoll aufstehen.

  • Sich am Tag möglichst viel an der frischen Luft aufhal- ten und dabei das Sonnenlicht auf sich wirken lassen. Das Sonnenlicht kurbelt u.a. die Serotonin-Produktion an und bringt den Hormonhaushalt rascher wieder ins Gleichgewicht.

  • Neben ausreichendem Schlaf und der Einhaltung eines möglichst regelmäßigen Wach-Schlaf-Rhythmus sind auch sportliche Betätigung im Freien und eine gesunde und vitaminreiche Ernährung wichtig.

  • Oft empfohlen werden auch Kalt-Warm-Kalt-Duschen, die den Kreislauf sanft anregen und die Durchblutung der Haut fördern.