Allergien: Wenn sich das Immunsystem irrt

Immer mehr Menschen aller Altersstufen leiden an Allergien. Schon Kinder und Jugendliche sind betro en. Während Allergiker in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt sind und manche schwerwiegende Erkrankungen wie etwa Asthma bronchiale entwickeln, versuchen Wissenschaftler herauszu nden, warum Allergien gerade heute so häu g sind. Neben geneti- schen Faktoren, verschiedenen Umweltein üssen und Klimawandel könnte auch übertriebene Reinlichkeit eine Rolle spielen.

Allergien: Wenn sich das Immunsystem irrt

Laut Weltallergieverband WAO, der 1951 gegründet wurde und sein Büro in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin hat, leiden rund 25 bis 30 Prozent der europäischen Bevölkerung an Allergien. In Österreich sind demnach bis zu zwei Millionen Men- schen betroffen.

Immer dann, wenn die WAO tagt und sich ihre 99 Mitgliedsorganisationen beraten und untereinander austauschen, geht es auch um die Frage, warum sich Allergien innerhalb weniger Jahrzehnte so stark verbreiten konnten. Und ein Ende dieser beschleunigten Entwicklung ist nach wie vor nicht absehbar.

Wenn es um Häufigkeit und Verbreitung geht, wird die Liste der Allergien vom Heuschnupfen, also der Allergie gegen P anzen- und Blütenpollen, angeführt. Dann folgen Insektengift- und Nahrungsmittelallergien, Kontakt-, Licht- und Medikamentenallergien und alle weiteren Formen, die bis heute bekannt sind. Jede davon macht den Betroffenen das Leben schwer, manche (z.B. Insektengiftallergien und manche Nahrungsmittelallergien) können auch unmittelbar lebens- bedrohlich sein.

Überreaktion des Immunsystems

Bei jeder Allergie nimmt das Immunsystem des Körpers die Schlüsselstellung ein. Aus Gründen, die bisher noch nicht bis ins letzte Detail erforscht werden konnten,neigtdasImmunsystem bei immer mehr Menschen dazu, übertrieben zu reagieren. Es setzt seine wichtigen Schutzmechanismen und Abwehrwaffen nicht nur gegen Krankheitserreger wie Bakterien und Viren ein, sondern bekämpft auch an sich harmlose Eiweißstoffe aus Blüten- und P anzenpollen. Oder es reagiert auf die Ausscheidungen von Hausstaubmilben, auf Tierhaare oder bestimmte Bestandteile von Nahtungsmitteln und Medikamenten. Als Folge einer dermaßen überzo- genen und eigentlich nicht sinnvollen Abwehrbereitschaft treten dann Schwellungen und Entzündungen in den Bereichen auf, die mit dem eigentlich ungefährlichen Allergen in Kontakt gekommen sind: z.B. Haut, Nase, Augen, Bronchien, Magen Darm- Trakt oder Kreislaufsystem.

Allergien können bei Menschen jeder Altersstufe auftreten. Oft sind schon Kinder und Jugendliche betroffen, aber auch ältere Menschen können plötzlich eine Allergie entwickeln. Daher ist man immer dann, wenn der Verdacht auf eine Allergie besteht, gut beraten, sich an einen entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Facharzt zu wenden. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil Allergien sich im Laufe der Zeit verschlimmern können und die Lebensqualitätdamitumso mehr einschränken. Aus Heuschnupfen kann unter Umständen Asthma bronchiale werden und Menschen, die auf Insektengift oder manche Nahrungsmittelbestandteile schwer allergisch reagieren, müssen ein Notfallset bei sich tragen.

Heute gibt es die Möglichkeit, im Rahmen von Allergietests das Allergen, auf das das Immunsystem reagiert, zu bestimmen. So ist es oftmöglich, den Kontakt mit dem Allergen künftig ganz oder weitgehend zu vermeiden. Auch die Symptome können gemildert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Hyposensibilisierung, die darauf abzielt, das Immunsystem nach und nach an den Allergieerreger zu gewöhnen, wodurch es schlussendlich nicht mehr auf ihn reagiert.