Drogen-Hotspot Unterkärnten

Nicht zuletzt die beiden Unterkärntner Drogentoten des heurigen Jahres zeigen: Auch hier steigt der Suchtgiftkonsum immer weiter an. Experten fordern weitere Beratungsstellen in Wolfsberg, die vorhandenen Einrichtungen sehen das aber anders.

Immer mehr Süchtige, Betreuer sind am »oberen Limit«

LAVANTTAL. Im April wurde ein 42-jähriger Wolfsberger tot in der Wohnung eines Bekannten gefunden. Ursache seines Ablebens: Drogen. Im Juni entdeckten Passanten einen 22-jährigen Griffner leblos am Steuer seines abgestellten Fahrzeugs. Todesursache: Drogen. Das Lavanttal ist seit vielen Jahren keine Insel der seligen Drogenfreiheit. Doch nun geht der Trend nach oben, nicht zuletzt wegen eines massiven Preiseinbruchs bei Suchtmitteln: Durch die große Konkurrenz am Markt unterbieten sich die Dealer. So sind Kokain und Heroin um 40 Euro pro Gramm zu haben (früher 80 Euro), ein Gramm Cannabis kostet um die zehn Euro. Experten fordern nun eine weitere Betreuungseinrichtung in Wolfsberg: eine Stelle, die die ganze Woche geöffnet hat und auch von hilfesuchenden Angehörigen frequentiert werden kann. Derzeit bietet hier die Caritas eine Suchtberatung an - allerdings nur an Dienstagen von 9 bis 12 Uhr. Klienten, die harte Drogen »bevorzugen«, werden an den Wolfsberger Psychotherapeuten Manfred Huemer weiter gereicht. Er betreut derzeit etwa 70 (!) Süchtige und sagt: »Natürlich steigt der Drogenkonsum kontinuierlich an, vor allem der Mischkonsum. Ob eine weitere Einrichtung in Wolfsberg geschaffen werden soll, ist eine politische Entscheidung. Ich zweifle daran, dass eine weitere Ambulanz das Problem lösen würde.« Überfordert sieht sich Huemer angesichts der großen Zahl an Patienten nicht. »Ich kann es mir noch einteilen. Ich sehe an der Betreuung von Drogenkranken im Rahmen einer normalen Ordination große Vorteile gegenüber einem neuerlichen Ausgrenzen in wiederum eigene Einrichtungen«, sagt er zu den Unterkärntner Nachrichten. Weitere Hilfe für Süchtige aus dem Lavanttal gibt es im Völkermarkter »Roots« – Ambulatorium für Drogenkranke der AVS des Landes Kärnten. »Roots«-Leiter Gerald Kattnig: »Selbstverständlich wird der Drogenmissbrauch nicht geringer. In Völkermarkt sind wir bei der Betreuung am oberen Limit angelangt. Wolfsberg wird von Dr. Huemer versorgt. Wenn er in Pension  geht (Anm: Huemer ist Jahrgang 1955), haben wir ein Problem. Aber er ist dynamisch.« Laut Kattnig ist der Bedarf an Suchthilfe-Einrichtungen zwar groß, von der Notwendigkeit einer weiteren Stelle in Wolfsberg ist aber auch er nicht überzeugt: »Es gibt Angebote. Und wenn Eltern von Süchtigen Beratung brauchen, übernehmen wir das.« Freilich: Bis Völkermarkt ist es ein Stückerl ... Fest steht: Im Lavanttal sind alle Drogen zu haben. Graz und Slowenien sind nahe, dazu gibt es das Darknet. Die Zahl von bisher elf Drogentoten (siehe unten) hat ihren Grund auch darin, dass die Opfer nicht beraten wurden - und dadurch nicht wussten, von welchen Substanzen sie zeitweise die Finger lassen sollten.

Kontrollflüge

Karl Schnitzer, Leiter der Suchtmittelgruppe des Landeskriminalamts, sagt: »Harte und synthetische Drogen gibt es auch im Lavanttal, Favorit ist aber – wie überall – Cannabis.« An all jene, die das »Gras« selbst anbauen, richtet er eine Warnung: »Kontrollflüge mit dem Hubschrauber, um Plantagen ausfindig zu machen, sind nicht in Vergessenheit geraten ...«

Elf Drogentote sind heuer in Kärnten bereits zu beklagen

Kärnten. Mittlerweile vergeht kaum ein Monat, in dem in unserem Bundesland kein Drogentoter entdeckt wird. Waren es im gesamten Vorjahr zwölf Todesopfer, sind es heuer bereits elf. Hier die Details der schockierenden Serie.

4. Jänner: Ein 30-Jähriger wird im Klagenfurter Stadtteil Feschnig tot von seiner Lebensgefährtin entdeckt.

21. Jänner: In Wolfsberg stirbt ein 24-Jähriger in einer Wohnung. Er wird erst mehrere Tage nach seinem Ableben entdeckt.

22. März: Ein 38-Jähriger stirbt in der Wörthersee-Gemeinde Krumpendorf an einem Mix aus mehreren Drogen.

31. März:  Diesmal ist es ein 36-jähriger Italiener, der in einer Wohnung in Klagenfurt an einer Überdosis stirbt. Auch in seinem Körper wurden verschiedene Drogen festgestellt.

23. April:  In der Wohnung eines Bekannten stirbt ein 42-jähriger Wolfsberger an einer Überdosis.

5. Mai: Ein besonders tragischer Fall: Eine Mutter findet ihren 20-jährigen Sohn tot auf. Todesursache: Drogenvergiftung.

24. Juni: In Griffen wird ein 22-Jähriger von Spaziergängern tot in seinem Fahrzeug gefunden. Sie versuchen, ihn wieder zu beleben –erfolglos. Überdosis.

1. Juli: In einer St. Veiter Wohnung wird ein 34-Jähriger gefunden. Er starb nach dem Konsum von Drogen in der Küche.

6. Juli: Wieder ist es eine Mutter, die eine entsetzliche Entdeckung macht. Ihr 18-jähriger Sohn liegt tot in seinem Bett.

13. Juli: An einem Freitag, dem 13., stirbt ein 31-jähriger Salzburger in einer Personalwohnung in Bad Kleinkirchheim. Gefunden wird er von seiner Schwester. Die Obduktion ergibt, er starb an einer Mischung aus Medikamenten und Drogen. Der Mann ist das zehnte Opfer des heurigen Jahres.

24. Juli: Das elfte Opfer ist ein 60-jähriger Mann. Der Feldkirchner wird tot in einem Haus in Krumpendorf gefunden. Bei der Obduktion werden in seinem Körper neben Morphinen und Opiaten auch Kokain und Benzodiazepine gefunden.

Die Ursachen

Bleibt die Frage, warum der Drogentod so reiche Ernte in Kärnten hält. Zum einen sind es Drogen, die in einem »gesetzlosen« Teil des Internets, dem Darknet bestellt und per Post geliefert werden. Was sie enthalten, weiß der Süchtige nicht. Der Wolfsberger Psychotherapeut Manfred Huemer: »Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit Drogen oft genommen werden.« Daneben wird das Suchtgift stetig stärker. Cannabis beispielsweise enthält heute oft fast die doppelte Menge des psychoaktiven Tetrahydrocannabinol (THC) als noch vor Jahren. Außerdem entstehen durch den Mischkonsum Wirkungen, von denen die Süchtigen nichts ahnen.