2,1 Millionen Euro VerkaufspreisAusgabe | Mittwoch, 1. August 2018

Noch immer fand sich kein Käufer für die Immobilie, die vor zehn Jahren europaweit Schlagzeilen machte. Wunderlicherweise kostet sie jetzt mehr als vor vier Jahren, als sie erstmals angeboten wurde. Zum wohlfeilen Preis gibt es 1.200 Quadratmeter plus Grund.

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LAVANTTAL. Seit fast vier Jahren steht das Anwesen zum Verkauf. Und weil alles, was lange liegt, bekanntlich teurer gemacht werden muss, um einen Käufer zu ködern, kostet es jetzt 2,1 Millionen Euro statt der 1,9 Millionen, die 2014 verlangt wurden. Noch immer zu haben ist das ehemalige Kloster der »unbeschuhten Karmeliter« in Wölfnitz hoch über dem Lavanttal. Das Gebäude machte vor zehn Jahren in ganz Europa unter einer anderen Bezeichnung Schlagzeilen: Als »Sonderanstalt« für straffällig gewordene Asylwerber auf der Saualm war es im November 2008 vom damaligen BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler offiziell eröffnet worden. Es hatte sich um ein »Lieblingsprojekt« seines Vorgängers gehandelt, des einen Monat zuvor tödlich verunglückten Jörg Haider.

Die Ironie des Lebens

Und weil dem Leben die Ironie nicht fremd ist, wird das 1.200 Quadratmeter große, markant geformte Gebäude zurzeit von der »Al Hamed Realestate Holding GmbH« angeboten. Geschäftsführer: Ünsal Asim Erhan.  Die mit dem Verkauf beauftragte Maklerin des Wiener Unternehmens meint auf die Frage, weshalb der Preis gestiegen ist: »Kann ich nicht beantworten, da ich erst seit 2017 mit diesem Objekt befasst bin.« Laut ihr gebe es Interessenten, »nicht viele, aber sie sind vorhanden«. Ein Abschluss stünde derzeit nicht unmittelbar bevor: »Bei Objekten dieser Größe ist es schwer, den Verkaufszeitpunkt vorherzusagen. Es kann sehr schnell gehen, aber auch eine Weile dauern.« Welche Nutzung wäre für das Gebäude am besten? »Das muss jeder Interessent für sich entscheiden«, sagt die Maklerin.

Keine Auskunft

Eigentümerin ist nach wie vor die Villacherin Herta Lechner. Die Unterkärntner Nachrichten erreichten sie in Südamerika. »Ja«, sagte sie, »das Haus ist noch nicht verkauft. Es braucht eben seine Zeit.« Keine Auskunft wollte die 84-Jährige auf die Frage geben, warum der Preis um 200.000 Euro gestiegen ist. Nur so viel: »Ich will verkaufen oder vermieten. Das ist der letzte Stand.« Lechner hat laut »derstandard.at« übrigens Haus und Grund im Juni 2009 um 75.000 Euro gekauft, zahlbar in drei Raten. Mittlerweile hat sich die Aufregung um die frühere »Sonderanstalt« gelegt. Genutzt wurde sie bis Herbst 2012, als das Land den Vertrag kündigte. Schon vorher hatte die Kärntner Politik immer weniger Freude daran, gab es doch Anzeigen und peinliche Vorwürfe. Heute ist es still um die Immobilie. Dabei ließe sich in einem Tourismusland durchaus Verwendung dafür finden. Das 1.200 Quadratmeter große Gebäude verfügt über 18 Zimmer mit jeweils etwa 20 Quadratmeter Fläche, im Obergeschoß hat jedes einen eigenen Balkon. Das Speisezimmer ist 40 Quadratmeter groß, zwei Büroräume mit je 20 Quadratmeter gibt es auch. Obendrein steht es auf einem 12.224 Quadratmeter großen Grundstück. 1961, als das Haus noch als Kloster diente, schrieben die Unterkärntner Nachrichten: »Am Rande eines Waldes, am Hange der Saualpe, wo noch vor wenigen Jahren irregeleitete Menschen sich gegen echten Gottesglauben und kirchliche Gesetze in finsterem Teufelswahn auflehnten, entstand das Kloster der Karmeliten, ein Bollwerk gegen den Aber- und Irrglauben.« Vielleicht wird es das ja wieder ...

 

 

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