Ein Ausflug über die Grenze nach Tarvis lohnt sich immer

»Fahr‘ ma nach Tarvis« war in früheren Jahrzehnten oft Auftakt für einen spontanen Ausflug zu den italienischen Nachbarn. Einkaufserlebnis, Kulinarik und Aktivitäten lohnen auch heute noch einen Besuch.

Tarvis bietet viel mehr als billige Handtaschen und Lederjacken

TARVIS. Nach Tarvis zu fahren hatte in früheren Zeiten noch weit mehr den Charme einer Reise, obwohl die Distanz und Fahrzeit aus dem Kärntner Zentralraum und aus dem Lavanttal kommend sehr überschaubar ist. Immerhin war der meist spontane Tagesausflug in den 80er- und 90er-Jahren noch mit einem amtlichen Grenzübertritt verbunden. Und dieser zerrte mitunter am Nervenkostüm, denn vor allem an den Wochenenden hatten die Idee zum Ausflug ins Land des Dolce Vita auch tausende andere Kärntner. Man fuhr damals aus gänzlich unterschiedlichen Motiven nach Tarvis. Für Viele bildete der »Fetzenmarkt« das lohnende und angesichts der hartnäckigen Preis-Feilscherei unterhaltsame Ziel. Dort konnte man sich zum Beispiel mit einer feschen, sicher echten Lederjacke einkleiden – oder mit italienischer Trendmode, die der österreichischen sprichwörtlich immer ein Jahr voraus war. Mit dem Neubau der Markthalle vor einigen Jahren hat das Ambiente an Charme eingebüßt, aber das vielfältige Angebot, die »verkaufswilligen« (manche würden sagen »lästigen«) Händler und die bei entsprechendem Verhandlungsgeschick attraktiven Preise haben auch heute noch ihren Reiz.

Kulinarisch und sportlich

Nach einem Marktbummel ist die Einkehr in eines der zahlreichen Restaurants im Ort zu empfehlen, wo nicht nur italienische Spezialitäten in fester und flüssiger Form aufgetischt werden. Die Küche umfasst friaulische, Kärntner und slowenische Köstlichkeiten. Tarvisio ist eine der wichtigsten Skihochburgen und einer der bedeutendsten Bergorte Friaul Julisch Venetiens. Umsäumt von den Julischen Alpen und reich an weiten Tälern und Wäldern – der Wald von Tarvis mit seinen 24.000 Hektar ist der größte Forst in Staatsbesitz Italiens – zeigt sich das Städtchen in modernem Gewand, aber es hat auch eine alte Seele, voller Traditionen, die zu entdecken sich lohnt. Dank seiner besonderen Lage an der Grenze ist es ein Kreuzungspunkt der Sprachen und Kulturen, wo Italien, Slowenien und Österreich aufeinandertreffen. Dies merkt man eben unter anderem an der kulinarischen Vielfalt. Tarvis ist auch das Ziel zahlreicher Pilger – dank dem reizvollen Heiligtum der Madonna von Lussari, wo der Tradition zufolge die Jungfrau erschienen sein soll. Der Wallfahrtsort Monte Santo di Lussari ist über den schönen Pilgerpfad oder ganz bequem mit der Kabinenbahn erreichbar.

Berge und Seen

Der Raum Tarvis bietet Freiluftfans darüber hinaus ein überaus reichhaltiges Angebot. Unbedingt sehenswert sind in der Nähe von Tarvisio die Seen von Fusine (die durch einen reizvollen Weg miteinander verbunden sind), die Hochebene des Montasch und das Skigebiet Sella Nevea. Der Besucher kann im Sommer zwischen zahllosen Wegen zum Trekking, Reiten oder Mountainbiken wählen und Bergsteiger finden majestätische Gipfel vor. Tarvis bildet auch den Ausgangspunkt zu zahlreichen wunderschönen Radtouren in die nähere Umgebung, aber auch für ausgedehntere Fahrten – sogar bis ans Meer.

arvis im Winter & musikalisch

Mit Skiern an den Füßen, auf atemberaubenden Abfahrten oder Langlaufloipen in zauberhaften Wäldern oder mit Schneeschuhen, um die Faszination zeitloser Ausblicke zu genießen: Im Raum Tarvis lassen sich auch herrliche Tage im Schnee verbringen. Die Krampusse kündigen am 5. Dezember auf den Straßen der Stadt die Ankunft des Heiligen Nikolaus an. Schon Ende Juli/Anfang August findet auf der Piazza Unita im Zentrum der Stadt alljährlich das »No Borders«-Musikfestival statt, das immer mit hochkarätigen internationalen Künstlern aufwartet und ein begeistertes Publikum anzieht.