Auch das Lavanttal bleibt von Internetbetrügern nicht verschont.

Täglich erreichen E-Mails die Computer des Tals, in denen Internetbetrüger mit prominenten Namen und verlockenden Geschichten versuchen, Geld und Daten von Gutgläubigen abzustauben. »Mit einem Lächeln ignorieren«, empfiehlt die Wolfsberger Polizei.

Wenn Muammar Gaddafis Tochter Millionen im Lavanttal anlegen will, ist Vorsicht geboten

Lavanttal. Aisha, Tochter des 2011 getöteten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, lebt in einem Flüchtlingscamp in Burkina Faso (schluchz!) und sucht einen Lavanttaler Treuhänder für 10,5 Millionen Dollar, die ihr Vater auf einem Konto hinterlegt hat. Marisol Yagüe, frühere Bürgermeisterin der spanischen Stadt Marbella und heute (natürlich aus »politischen Gründen«) wegen Korruption hinter Gittern, möchte aus dem Knast ihre Millionen in ein Lavanttaler Unternehmen investieren. Man möge ihr nur eine Kopie seines Passes senden. Schließlich Tayeb Souami, der 315 Millionen Dollar in der US-amerikanischen Lotterie gewonnen hat und jetzt einem Lavanttaler zwei Millionen spenden will, um dessen Leben zu verbessern. Die eigenen Daten angeben – und schon fließen die Moneten.

Viel Geld ohne großen Aufwand – es ist zu schön, um wahr zu sein. Und es ist auch nicht wahr. Mit E-Mails wie diesen versuchen Banden aus Afrika und anderen Ländern, gutgläubigen (oder verzweifelten) Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen oder wertvolle Daten aus dem Kreuz zu leiern. Der Schmäh ist alt, funktioniert da und dort aber noch immer. Fast jeden Tag erreichen Nachrichten wie diese die Computer von Lavanttaler Usern.
»Mit einem Lächeln ignorieren, löschen und den Adressaten als Spam markieren«, rät Christian Baumgartner, IT-Experte der Polizei Wolfsberg, »auch wenn man letztlich nicht verhindern kann, dass man immer wieder solche Mails erhält. Auf keinen Fall antworten, denn dann wissen die Täter, dass der Account aktiv ist – und es kommen noch mehr solche Mails.«
Laut Baumgartner wird jeder, der darauf einsteigt, in mehrfacher Hinsicht verlieren: »Wenn man das eigene Konto für Transaktionen, etwa aus Risikoländern, zur Verfügung stellt, fällt das den Banken auf. Es entsteht der Verdacht der Geldwäsche und die Polizei schaltet sich ein.« Zwar wird sich rasch zeigen, dass der Kontoinhaber ein Opfer und kein Täter ist, Scherereien sind allerdings garantiert.

Geld fließt in die falsche Richtung
Und zu »erben« gibt es nichts. Wer dem »Lottogewinner« antwortet und um die Überweisung ersucht, wird schnell mit Forderungen konfrontiert. Baumgartner: »Ein Konto muss eingerichtet werden, was Gebühren kostet. Für eine Banküberweisung entstehen ebenfalls Kosten. Dann gibt es plötzlich irgendwelche diplomatischen Probleme, die auch wieder mit Geld bereinigt werden müssen.« Und so überweist derjenige, der eigentlich eine riesige Summe  erhalten sollte, immer mehr Geld - natürlich ohne Gegenleistung.
Variante zwei: Die Daten des Opfers sollen abgefischt werden. »Man wird ersucht, zur Legitimierung eine Passkopie zu schicken. Diese Daten werden verwendet, um Konten zu eröffnen, Kreditkarten zu beantragen, Online-Bestellungen zu tätigen et cetera. Das geht ins Unvorstellbare«, sagt Baumgartner.
Die Täter zu fassen ist beinahe unmöglich. »Kurz- und mittelfristig besteht darauf keine Aussicht«, so der IT-Experte, »diese Leute operieren weltweit und sitzen in Ländern, die mit den österreichischen Behörden nicht zusammen arbeiten. Selbst wenn man die Namen der Täter kennt – soll man sie in Afrika holen?« Wir lernen: In der Welt gibt es nichts geschenkt, per E-Mail schon gar nicht.