Das »Warhammer«-Universum von Tobias Meyer.

Tobias Meyer steht auf die Figuren des »Tabletop«-Spiels. Das »Ding« des gebürtigen Deutschen, der in St. Andrä lebt, ist das »Warhammer«-Universum, dessen Darsteller er sammelt und penibel bemalt.

Ein Leben für »Warhammer«: Seinen Gott trägt er als Tattoo am Körper

St. Andrä. Die einen sammeln und bemalen, die anderen spielen. Tobias Meyer zählt zur ersten Gruppe. Der 39-Jährige besitzt rund 300 Figuren (»Ich weiß nicht genau, wie viele es sind«), mit denen »Tabletop« gespielt wird. Weil Wikipedia hervorragend erklären kann, hier das entsprechende Zitat: »Als Tabletop (engl. ›Tischplatte‹) bezeichnet man ein Strategiespielsystem, bei dem mit Miniaturfiguren auf einer Oberfläche (besonders Tischen) gespielt wird. Die Spielfläche wird oft mit sogenannten ›Geländestücken‹ (Hügel, Wälder, Ruinen aus Spielwarenläden oder selbstgebaut) gestaltet.« Anders ausgedrückt: Meyer kreiert »Schachfiguren«, mit denen aber nicht Schach, sondern »Tabletop« gespielt wird.
Dabei gibt es unterschiedliche Richtungen: Die einen bewegen historische Figuren über das Feld, andere das Personal und die Flugobjekte aus »Star Wars«. Meyer befasst sich mit den Figuren des »Warhammer«-Universums. Er ist Anhänger des Gottes »Khorne« – mit Leib und Seele. »Ich habe mir sein Symbol auf den Hinterkopf tätowieren lassen«, sagt der gebürtige Deutsche, der nahe Frankfurt am Main aufgewachsen ist. Allerdings: Mit seinen Figuren auch zu spielen, interessiert ihn mittlerweile wenig.

Meyer: »Gespielt habe ich das letzte Mal 2017 in England, als ich die ›Warhammer World‹ besuchte. Mir geht es darum , die Figuren zu besitzen und zu bemalen.« Kleinere Exemplare werden um zwölf bis 25 Euro angeboten. Der Käufer erwirbt die Figur in Einzelteilen, die aus dem Kunstharz Resin gegossen sind und die er erst mühsam zusammenbauen muss. Danach könnte er bereits mit ihr spielen – was auch viele tun.  Oder er kann sie bemalen, was Meyers »Ding« ist: »Rot ist die Farbe des Gottes ›Khorne‹, weshalb meine Armee fast ausschließlich in Rottönen gehalten ist. Aber grundsätzlich ist jede Farbe erlaubt. Es gibt einen Spieler, der sich eine rosarote  ›Hello-Kitty-Armee‹ gebaut hat.«

Dreißig Minuten bis eine Woche
Die Arbeitszeit, um einer Figur Farbe zu verleihen, ist unterschiedlich. »Mit manchen bin ich nach dreißig Minuten fertig. Für andere brauche ich eine Woche.«
In seinem Haus in St. Andrä hat er sich einen Raum eigens für sein Hobby reserviert. Darin befindet sich auch eine Vitrine, die gerammelt voll ist mit Figuren. Allen gemeinsam ist die »Wehrhaftigkeit«: Sie schwingen Äxte und Schwerter, tragen Dornen an ihren Panzern oder sind mit modernen Gatling-Minikanonen ausgerüstet wie die Meyers größter Figur: ein Kampfroboter. »Den habe ich aus England mitgebracht«, sagt er, »er kostete 800 Euro.« Wie viel hat er in seine Armee investiert? »Darüber möchte ich nicht nachdenken«, lautet seine Antwort.
 Derzeit ist er dabei, eine Spielfläche, oder besser, einen mörderischen »Kampfplatz« zu bauen. Da stehen Panzer neben abgestürzten Kampfhubschraubern und anderem Kriegsgerät. Denn bei »Tabeltop« sind nicht nur Figuren dabei, es gibt auch schwere Maschinen. Meyer: »Man kann Menschen einsetzen, aber auch Aliens, Orks, Dämonen, Panzer, Flugzeuge, Roboter.«

Lavanttal forever
Und wie verschlägt es einen Deutschen ins Lavanttal? »Ich bin in Düsseldorf mit Michael van der Fecht, dem Sohn eures Herausgebers, in die Gutenberg-Schule gegangen. 2010 hat er mir einen Job in Kärnten vermittelt.« Heute verdient er sich das Geld für seine Figuren bei »Cardbox Packaging« in St. Marein, besitzt ein Haus und will »für immer« bleiben. Den heimischen Dialekt spricht er zwar nicht, »mittlerweile verstehe ich ihn aber sehr gut«. Die Grundvoraussetzung fürs Hierbleiben.