Der Blick aus dem Cockpit: Wie bei einer Schießscharte ...

Das ist ein Anblick: Dezent verziert mit dem rot-weiß-blauen Camaro-Badge, das für die Farben der US-Flagge steht, liegt der Chevrolet satt auf der Straße. Die Reifen der Dimension 275/35 lassen das Muscle-Car auf der Straße kleben. Auch von hinten ist er mit seinen vier Auspuffrohren eine Augenweide.

Chevrolet Camaro: Man gönnt sich ja sonst nichts

Lavanttal. »Ja bist du deppat!« Genau das ist der Gedanke, der dem Fahrer durch den Kopf schießt, wenn er in den Chevrolet Camaro steigt. Ein zweites Mal zuckt er durchs Hirn, wenn das amerikanische Muscle-Car startet. Schon der Sound des Achtzylinders, der kurz hochdreht und danach im Stand vor sich hin blubbert, ist den Anschaffungspreis wert. Selbst der eingeschworene Diesel-Fahrer, dessen linkes Auge immer auf die Tankuhr gerichtet ist, wird bei diesem Geräusch schwach.

Der erste Eindruck auf dem Fahrersitz: Man fühlt sich eingeschüchtert. Die Sicht nach vorne erinnert wegen des flachen Neigungswinkels der Frontscheibe an den Blick aus einer Schießscharte, der Sitz liegt tief, die Türen sind extrem weit hochgezogen. Doch unser Testwagen, anvertraut vom Autohaus Gaber in St. Gertraud, erwies sich im Umgang als äußerst gutmütig. Wird das Gaspedal leicht gestreichelt, rollt der Supersportler mit leisem Grollen sachte an, die Achtgang-Automatik schaltet fast unmerklich hoch – damit ließe sich problemlos jeden Tag zum Supermarkt fahren.

468 PS sind allzeit bereit
Doch wehe, wenn er losgelassen. Auf der Autobahn lässt der 6,2-Liter-Motor wissen, dass er nur zu gerne bereit ist, seine 468 PS auch einzusetzen. In 4,4 Sekunden hat er 100 km/h erreicht, danach ginge es im Coupé zügig weiter bis 290 – beim Cabrio (ja, das gibt es auch) wären es 250 km/h.
Das Schönste ist aber hinter einem Lkw nachzuschleichen, zu warten, bis die Bahn frei ist – und dann Gas zu geben. Der Motor brüllt los, dass einem die Ohren sausen. Da ist nichts mehr mit Blubbern, der Sound wird so hoch, als säße man in einem Formel-1-Wagen, ehe die Automatik den nächsten Gang einwirft. Man kann nichts dagegen machen: Auf die Lippen des Fahrers legt sich ein Lächeln, und abermals denkt er: »Bist du deppat!« Um solche Gefühle zu erzeugen wurde das Auto erfunden.

Aber ein Auto lebt nicht vom Motor allein, die Optik muss ebenfalls stimmen – wie beim Camaro. Die Einkerbung seines Dachs wiederholt sich am Armaturenbrett, der »Blick« der Scheinwerfer ist extrem, die mattschwarzen Felgen mit den 275/35-Reifen sind es ebenfalls. Von hinten betrachtet hat er Schultern breit wie Chris Hemsworth, dazu deuten die vier Auspuffrohre an, was in ihm steckt. Und wie sieht es innen aus? Bestimmt super, haben wir aber im Rausch des Fahrens vergessen zu schauen ...

Natürlich: Ein vernünftiges Auto ist der Camaro nicht. Aber so schlimm ist es dann auch nicht. Kein anderer Hersteller bietet so viele PS zu diesem Preis. Außerdem gibt es eine Drei-Jahres- oder 100.000-Kilometer-Garantie. Und wer den Gasfuß zügeln kann, kommt mit zehn Litern Sprit aus. Damit lässt sich bei einem Muscle-Car leben. Schließlich: Man gönnt sich ja sonst nichts.

Chevrolet Camaro
Motor: Acht Zylinder mit 6,2 Litern Hubraum.
Leistung: 468 PS bei 617 Nm.
Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h.
Antriebsart: Hinterrad.
Getriebe: Achtgang-Automatik.
Gewicht: 1.659 Kilo (Coupé), 1.769 Kilo (Cabrio).
Preis des (vollausgestatteten) Testmodells: 69.900 Euro.
Wer glaubt, er kommt auch mit weniger Leistung aus, für den gibt es den Camaro auch mit einem 2.0-Liter-Turbomotor und 278 PS. Dessen Einstiegspreis liegt bei 49.900 Euro.
Alle Modelle werden in unterschiedlichen Farben und Ausstattungsvarianten angeboten.