Radargeräte werden ausgetauschtAusgabe | Mittwoch, 3. Oktober 2018

Auch im Bezirk Wolfsberg werden die alten Radar- gegen neue Lasergeräte getauscht, die genauer und öfter blitzen. Wo sie stehen und wie viel sie einbringen ist »Geheimsache«, die Polizei gibt keine Auskunft. Hier einige Details, die den Autofahrer interessieren.

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Lavanttal. Höfliches Schweigen, Ablehnung, Stehsätze. Daraus bestehen die Antworten, wenn nach den stationären Radargeräten im Bezirk Wolfsberg fragt. Fakt ist: Auch hier werden bzw. wurden einige Blitzer von der bisherigen Radar- auf die neue Laser-Technik umgerüstet. Die ist genauer und funktioniert in beide Richtungen, was sich in wesentlich mehr Strafbescheiden niederschlägt. Doch von der Polizei gibt es keine Auskunft. Es wäre für die heimischen Autofahrer aber nützlich, ein paar Details zu den  neuen »Gepflogenheiten« zu wissen.

Ein Beispiel: Jener Radar im steirischen Dürnstein nahe der Kärntner Grenze, der dieser Tage von zwölf Pistolenschüssen durchsiebt und außer Gefecht gesetzt wurde, brachte rund 1.000 Schnellfahrern eine Anzeige ein – pro Tag. Der Kasten war ein österreichweiter »Spitzenreiter«, eine »Gelddruckmaschine« am Straßenrand.
Welches Gerät im Bezirk Wolfsberg am öftesten blitzt, verrät die Kärntner Exekutive nicht. Selbst über die Anzahl der fix montierten Geräte gibt es keine Auskunft. Der Wolfsberger Bezirkspolizeikommandant Peter Hauser meint: »Stationäre Radargeräte fallen nicht in unsere Zuständigkeit.«
Verantwortlich ist Adolf Winkler, der Leiter der Kärntner Verkehrsabteilung – und der zeigt sich verschlossen wie eine Rose im Winter. »Wir geben die Anzahl der Geräte im Bezirk nicht bekannt«, sagt Winkler, »und daher teilen wir natürlich auch nicht mit, wo sie sich befinden.« (Zum Glück gibt es andere Informationsquellen: Eine Aufstellung der Radargeräte finden Sie in der Box.)
Zur Aufstellung der neuen Lasergeräte meint Winkler: »Teils ist es bereits erfolgt, teils kommt es noch. Wir haben bei der Umstellung einen Vierjahresplan, 2021 soll sie abgeschlossen sein.«

501.095 erwischte Lenker
Und wie viele Fahrer haben im Vorjahr im Lavanttal eine Strafverfügung wegen Schnellfahrens erhalten? Winkler: »Wir erfassen nicht pro Bezirk, sondern nur landesweit.« Es folgt ein Blick in die »Verkehrsüberwachungsbilanz« der Bundespolizei: Laut ihr wurden im Vorjahr in Kärnten 501.095 Geschwindigkeitsübertretungen bestraft, wobei diese Zahl auch die mit Radarpistolen erwischten Lenker umfasst. Bedenkt man, dass die Strafen bei 30 Euro beginnen und bis 2.180 Euro reichen, kommt ein hübsches Sümmchen zusammen.
Wohin das Geld fließt, bleibt für den Normalbürger ein Mysterium. Es soll mehr als 300 »Töpfe« in Österreich geben, die einen Anteil erhalten. Entsprechend auch die Auskunft aus der Kärntner Polizei. »Das ist kompliziert und unterschiedlich geregelt«, heißt es, »ein Teil fließt dahin, ein Teil dorthin.«

Unter anderem soll das Innenministerium profitieren. Laut einem Artikel des »Kurier« aus dem Jahr 2014 erhielt es 20 Prozent der Strafen, die für Schnellfahren oder Alkoholisierungen über 0,8 Promille bezahlt wurden. Die Lenker finanzierten damit ihre eigene Überwachung, denn das Geld ging in neue Laserpistolen und Radargeräte. Der Rest des Kuchens verteilte sich etwa auf den Straßenerhalter Asfinag, die Länder und Gemeinden.
Dass das Thema öffentlich nur ungern behandelt wird, wird verständlich, wenn man hört, um wie viel Geld es geht: 2013 sollen österreichweit 225 Millionen Euro nur durch Organmandate und -Anzeigen nach der Straßenverkehrsordnung eingenommen worden sein. Kein Trinkgeld.
Geheimsache Toleranzgrenze
Und die Schraube wird weiter angedreht. Der Trend geht dahin, die Grenze, wann ein Radar tatsächlich blitzt, weiter zu senken. Ab welchem Tempo es los geht, ist natürlich ebenfalls »Geheimsache« und wird von der Polizei nicht kommuniziert. Versteht sich.
Bleibt die Frage, ob es um die Sicherheit oder doch nur ums Geld geht. So erhielt ein Bäcker, der heuer in Klagenfurt 42 Mal vom selben Radar erfasst worden war, erst nach mehreren Wochen die erste Lenkererhebung. Das führte zu Kritik des Kärntner ARBÖ-Chefs Thomas Jank, der meinte, umso geringer der Abstand zwischen Vergehen und Strafe, je größer sei die Wirkung. Tatsächlich hat die Behörde ein Jahr Zeit, um zu strafen. Wer wird sich dann noch an den eigenen Bleifuß erinnern? Der lange Zeitraum ist aber der großen Anzahl geschuldet: Bis zu 500.000 Radarfotos werden bei der dafür zuständigen Kärntner Landesverkehrsabteilung pro Jahr überprüft.

Und weil es alle eilig haben, grübeln immer mehr Autofahrer darüber nach, sich einen Laserblocker anzuschaffen und die Polizei auszutricksen. Keine gute Idee. Mittlerweile sind die Beamten sensibilisiert. Rauscht ein Schlitten an und streikt gleichzeitig die Laserpistole, werden solche Fahrzeuge gerne angehalten und kontrolliert. Wer einen Warner an Bord hat, muss ihn sofort ausbauen und abgeben. Kann er das nicht, darf er nicht weiterfahren, der Wagen wird abgeschleppt. So geschehen vor einem Jahr im Wiener Nobelbezirk Döbling, wo an einem Tag 13 Laserblocker einkassiert wurden.
Was also tun? Am billigsten ist es, sich an die Limits zu halten.

// Radarkästen

Hier stehen laut Internet die Radarkästen im Bezirk Wolfsberg. Stand:  September 2018.
Autobahn A2 zwischen Wolfsberg Süd und St. Andrä. Beide Fahrtrichtungen.
Autobahn A2 zwischen Gräberntunnel und Wolfsberg Nord, Fahrtrichtung Klagenfurt.
Autobahn A2, Baustelle Gräberntunnel, derzeit Section Control.
Autobahn A2 vor der Einfahrt in den Großliedltunnel, Fahrtrichtung Klagenfurt.
Twimberg, südliche Ortseinfahrt. Für Lkw gilt Tempo 30, für Pkw 50.
Bad St. Leonhard, auf der neuen Ortsumfahrung.

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