Bezirkspolizeikommant auf den Spuren der HippiesAusgabe | Mittwoch, 7. November 2018

Pete Hauser, Bezirkspolizeikommandant von Wolfsberg, und seine Frau Andrea auf Forschungsreiseüber die 68er-Generation. Sie trafen Messies und Hippie-Ikone Uschi Obermaier. Ihr Erfahrungsbericht.

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Wolfsberg, Washington. Die 68er-Bewegung entstand in den USA und richtete sich anfänglich gegen eine kapitalistische und rassistische Gesellschaftsordnung. Rasch breitete sich die ideelle Revolte in unterschiedlichen Ausprägungen in der westlichen Welt aus und machte Frieden und Freiheit zu ihren ideologischen Grundwerten. Die neue Lebensform, die sich in Europa auch gegen eine immer prüder werdende, kleinbürgerliche Gesellschaftsordnung richtete, war aber immer mehr als »Sex, Drugs and Rock n Roll«, denen nur einige langhaariger Spinner huldigten. Sie war auch ein revolutionärer politischer Aufstand gegen die damals herrschende Staats- und Gesellschaftsstruktur.

Meine Frau Andrea und ich begannen unsere Suche nach kommunalem Frieden und freier Liebe in Slab City – einer gottverlassenen Wüstensiedlung in Kalifornien, in der sich Hippies, Aussteiger, Hobos und Künstler niedergelassen haben. Wir wurden enttäuscht. In armseligen Behausungen fristen hier überwiegend Messis in zerlumpten Kleidern und von Crystal Meth zerfressenen Zähnen ohne Strom, Fließwasser und sanitäre Einrichtungen ein armseliges Dasein. Einige Behausungen werden von hyänenartigen Hunden, den sogenannten »Doorkeepers«, bewacht, andere sind mit militärischen Stacheldrahtverschlägen gesichert. Wohl wurden wir von vielen mit dem Peace-Fingerzeig begrüßt, traten wir aber mit den Menschen in Kontakt, verstummten sie bald oder führten einsame Monologe über Erfahrungswelten, zu denen Außenstehende kaum mehr Zugang haben.

Bis auf Leonard Knight, der im Laufe von Jahrzehnten den Salvation Mountain, einen von Menschenhand geschaffenen, bunt bemalten und begehbaren Berg, errichtet hat. Oder dem sogenannten »East Jesus«, der aus Schrott einen wahren Kunstpark schuf.  Außer diesen Beiden verdammen sich die meisten Bewohner von Slab City zum Nichtstun und vegetieren einsam in ihren vermüllten Domizilen.

In Santa Cruz
Am ehesten wird der Geist der 68er Generation in der kalifornischen Stadt Santa Cruz am Leben erhalten. Straßenmusikanten, barfüßige Hippies, Tattergreise mit umgehängten Gitarren, Frauen mit blumengeschmücktem Haar, Fahrräder mit Retrodesign, urige Schallplattenläden, Buchhandlungen mit esoterischen Werken und Gerüche, bei denen bei jedem Polizisten die Alarmglocken läuten, machen die schmucke Stadt südlich von San Francisco zu einem Refugium für die Leichtigkeit des Seins.
Aber nicht nur in Kalifornien, auch in Arizona, New Mexico, Utah und Nevada suchten und fanden wir Kommunen, deren Lebensphilosophie vom gesellschaftlichen Mainstream abwich und traten mit Menschen in Kontakt, die in Österreich in die Kategorie »seltsame Spinner« eingeordnet würden. Messen wir aber den Erfolg des Lebens nicht an Prestige und Gütern, sondern am Ausmaß von Glück und Zufriedenheit, verliert diese schubladenhafte Zuschreibung an Gültigkeit.

Am Ende unserer Reise folgten wir einer Einladung der heute 72-jährigen Hippie-Ikone Uschi Obermaier und unterhielten uns in ihrem Haus im Topanga Canyon bei Malibu in Kalifornien über die Ergebnisse unserer Eindrücke. Das ehemalige Fotomodell und linksaktionistische Mitglied der berüchtigten Berliner »Kommune 1«, Ex-Freundin von Mick Jagger, Keith Richards oder Jimmy Hendrix sagte uns, sie bereue ihr wildes Leben nicht. Aber mit zunehmendem Alter werden ihr ihre europäischen Wurzeln wichtiger. Darum werde sie demnächst nach Portugal übersiedeln. Obermaier: »Ein durch Präsident Donald Trump stark negativ veränderndes Amerika erleichtert mir diese Entscheidung.«

Unser Resümee
Die 68er-Bewegung wuchs aus einer bestimmten sozialen und politischen Ordnung und ist unter den jetzigen Verhältnissen nicht wiederholbar. Das soll heutige Gesellschaften jedoch nicht daran hindern, einige Ideen, Gedanken und Werte wiederzuerwecken und am Leben zu erhalten. Gerade in Zeiten zunehmender Despoten an den Rudern der Macht und einem gesellschaftlichen und politischen Rechtsruck in Europa ...

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