Stauber im InterviewAusgabe | Mittwoch, 28. November 2018

Der St. Andräer Bürgermeister Peter Stauber spricht mit den Unterkärntner Nachrichten über seine Bandscheibenoperation, seine Jugend in bescheidenen Verhältnissen, seine Zeit als Nationalratsabgeordneter und warum er bei Kärntner Liedern feuchte Augen bekommt.

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Sie waren nach Ihrer Bandscheibenoperation politisch drei Monate außer Gefecht, wie geht`s dem Kreuz?
Die Ärzte haben gute Arbeit geleistet, es geht wieder so halbwegs. So wie früher wird es nicht mehr werden. Ich muss Übungen und Spaziergänge machen, damit die Bauchmuskeln gestärkt werden. Aber ich kann wieder normal und ohne Hilfsmittel gehen.

Hatten Sie in dieser Zeit politische Entzugserscheinungen?
Eigentlich nicht. Am Anfang hatte ich große Schmerzen und der Arzt hat mir gesagt, dass ich knapp am Rollstuhl vorbeigekommen bin. Da ändert sich dann auch der Blickwinkel auf viele Dinge. Nachdem ich das Ärgste überstanden hatte, wurde ich von meinen Kollegen wieder eingebunden und angerufen, wenn es wichtige Dinge zu entscheiden gab.

Wo und wie sind Sie im Lavanttal aufgewachsen?
In Ettendorf in sehr bescheidenen Verhältnissen. Mein Vater arbeitete als Briefträger, meine Mutter als Hausfrau und wir waren sieben Kinder. Da kann sich jeder vorstellen, dass wir nicht in Saus und Braus leben konnten. Wir hatten Ski aus irgendeinem Lärchenholz und kannten keinen Skilift. So etwas wie auf Urlaub fahren, gab es auch nicht. Aber es ging allen gleich, keiner lebte im Luxus und was man nicht kennt, geht einem bekanntlich nicht ab. Die Mutter hat aber drauf geschaut, dass es etwas Ordentliches zu essen gab und wir immer sauber angezogen waren. Natürlich mussten die Kleinen die Kleidung der Älteren nachtragen. Mit den anderen Buben im Dorf haben wir viel unternommen, Indianer gespielt oder im Wald Lager gebaut. Die Spielsachen haben wir uns aus irgendwelchen Holzprügeln selber gebastelt. Besonderen Wert legten die Eltern auf Bildung, mein Vater wollte, dass wir alle etwas Vernünftiges lernen, das haben wir zum Glück auch getan.

Sie haben nach der Matura zwei Jahre bei der Post gearbeitet – was haben Sie gemacht und warum haben Sie aufgehört?
Da mein Vater Briefträger war, habe ich schon während des Gymnasiums in den Ferien bei der Post gejobbt. Nach dem Präsenzdienst beim Bundesheer wollte ich studieren. Da ich im März abgerüstet habe und das Studium erst im Oktober begonnen hätte, musste ich dazwischen mein eigenes Geld verdienen. Damals wurden Postmeister gesucht und ich konnte einen Schnellsiedekurs absolvieren. Zuerst war ich als Springer in vielen Ortschaften unterwegs. Das hat mir gefallen. Als aber meine Frau mit der Schule fertig war und auf die Pädak gehen wollte, habe ich mich entschlossen, dass ich das auch mache.

Wie war die Zeit als Lehrer?
Wunderschön. Ich habe Englisch, Turnen und Musik unterrichtet. Damals habe ich bei einer Volksmusikkapelle gespielt und es hat für mich super gepasst. Ich war von 1977 bis 1997 20 Jahre lang Lehrer und habe schon immer gerne mit jungen Menschen etwas unternommen und ihnen etwas beigebracht, deshalb möchte ich keine Minute missen. Ich war sogar traurig, dass ich nach der Wahl zum Bürgermeister nicht mehr unterrichten durfte.

Sie haben sich schon auf der Pädak politisch beim SLÖ engagiert – warum?
Aufgrund meiner Sozialisation war es mir immer ein Anliegen, mich für die sozial Schwächeren einzusetzen. Da ich schon damals gut mit Menschen umgehen konnte, wurde ich zum Vorsitzenden gewählt.
 
Was reizt Sie an der Politik?
Dass man gestalten und etwas weiterbringen kann. Ich hatte viele politische Ämter inne, aber Bürgermeister zu sein, ist sicher am schönsten. Da man sehr nahe an den Menschen dran ist, mitbekommt, wo der Schuh drückt, viel umsetzen und oft rasch helfen kann. Es macht Freude, wenn man etwas bewegen kann.

Sie sind auch sieben Jahre als Abgeordneter im Nationalrat gesessen, welche Schwierigkeiten hat man als Provinzler und Newcomer in Wien?
Das war nicht so einfach. Für die Wiener ist alles, was hinter dem Semmering liegt, Provinz. Da dauert es seine Zeit, bis man von den Wiener Lobbys als Politiker überhaupt wahrgenommen wird. Dieses Problem haben aber alle Kollegen aus den Bundesländern. Deshalb haben wir uns oft  zusammengetan, weil wir gemeinsam mehr erreichen konnten.

Sie wollen spätestens 2021 mit der Politik aufhören. Keine Angst vor dem Pensionsschock?
Den werde ich nicht bekommen. Ich bin über 30 Jahre in der Politik, das ist eine lange Zeit, da muss einmal Schluss sein. Man muss auch jungen Leuten die Chance geben, ihre Ideen umzusetzen. Langweilig wird mir sicher nicht werden. Ich habe noch einiges vor, möchte mir mit meiner Frau noch viele Dinge auf der Welt anschauen. Besonders freue ich mich, dass ich dann mehr Zeit für meine Enkerln haben werde. Außerdem bin ich Mitglied der Weinritterschaft, da kann ich mich dann ebenfalls intensiver einbringen.  


Zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum als Bürgermeister bekamen Sie beim Lied »Mei Hamat is a Schotzale« feuchte Augen. Sind Sie ein Kärntner-Lied-Fan?
Ja. Für mich hatte die Musik immer eine besondere Bedeutung. Dazu habe ich jahrelang beim MGV Maria Rojach gesungen und kenne daher viele Kärntner Lieder. Ich stelle mich noch heute gerne dazu und sing mit, wenn nach einer Veranstaltung oder im Gasthaus Leute zusammen stehen und singen. Mir gefällt es, wenn die Heimat besungen wird. Die Lieder sind oft zwar melancholisch, aber sie drücken gerade deswegen die Kärntner Seele so gut aus.

Sie gelten als geselliger und umgänglicher Mensch, was bringt Sie in Rage?
Wenn sich Leute wegen Kleinigkeiten maßlos aufregen können. Wenn ein Schlagloch nicht am nächsten Tag repariert ist oder in einer Gasse zwei Tage lang die Laterne nicht brennt, machen manche ein Drama daraus. Unlängst musste ich in einem Grundstreit zwischen zwei Nachbarn vermitteln, da ging es um ein paar Zentimeter. Das sind Dinge, die mich zornig machen. Ich ärgere mich vor allem über Menschen, die sich durch Nichtigkeiten das Leben selbst erschweren.

Was schätzen Sie am Lavanttal und den Menschen hier?
Am allermeisten die Bevölkerung. Der Lavanttaler ist ein sehr erdverbundener, fleißiger Mensch, mit dem man alles vernünftig ausreden kann, wenn man den richtigen Ton findet. Besonders toll finde ich, dass hier noch die Handschlagqualität zählt.

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